Pressestimme zu "Ilse Langner 1899 - 1987. Ich möchte die Welt hinreißen"

Aus: Fränkische Landeszeitung vom 5.5.2000

"Es gibt immer wieder besondere Kostbarkeiten unter den unzähligen Publikationen, die jedes Jahr neu den Büchermarkt überschwemmen, man muss sie bloß finden, frau muss von ihnen wissen. Wer kommt schon auf die Idee, sich für das Leben von Ilse Langner zu interessieren? Wer war Ilse Langner überhaupt?

‚Ich möchte die Welt hinreißen’ ist ihre Biographie von Birgitta M. Schulte überschrieben und wer sie gelesen hat - auf welchen Tipp hin auch immer - wird sich sehr bewegt fühlen und dankbar sein, diesem Buch und dieser Frau begegnet zu sein ...

Eine literarische Karriere war vorgezeichnet und nahm zunächst erfolgversprechend ihren Lauf. Sie schrieb Theaterstücke, die im Berlin der zwanziger Jahre erfolgreich aufgeführt wurden. Das Besondere: Sie ist die erste deutsche Dramatikerin, die die brennendsten Gegenwartsfragen auf die Bühne gebracht hat, und zwar mit Frauen in den Hauptrollen.

Diese Frauengestalten sind höchst unterschiedlich, Ilse Langner zeigt die vielen Charakterzüge, die Frauen haben können. Sie stellt sie dar in ihrem Eigenwert, wesensmäßig unterschieden vom Mann. Sie zeigt sie als für das Leben verantwortlichen, als die, die gebären und nähren, und die, die das Ende setzen. Matriarchale Inhalte, die erst in den siebziger Jahren von der Neuen Frauenbewegung auf ganz andere Weise entdeckt werden, sind hier schon formuliert und verarbeitet.

Aber auch aktuelle Themen greift sie auf, zum Beispiel in ihrem ersten Stück ‚Frau Emma kämpft im Hinterland’, in dem es um eine Frau geht, die ihre Rolle als Ernährerin nach dem Ersten Weltkrieg nicht wieder an ihren Mann abgetreten hat.

Der große Bruch kam nach Hitlers Machtergreifung 1933 und wie manchen anderen gelang es ihr auch nicht, nach 1945 wieder an ihre alten Erfolge anzuknüpfen. Nichtsdestotrotz war sie künstlerisch produktiv, reiste um die Welt, berichtete über fremde Kulturen, schrieb für Zeitschriften und Radiosender ...

Das schönste an dem Buch aber ist die starke persönliche Beziehung, die die Biographin Birgitta M. schulte - obwohl sie sie nie kennen gelernt hat - zu ihrer Hauptperson, zu Ilse Langner, aufnimmt, die bewusste Subjektivität, aus der heraus sie schreibt. Dadurch wird das Buch zu einem lockeren, warmherzigen Lesegenuss, bei dem wir unglaublich viel über unser Jahrhundert, über die Seelennöte einer Künstlerin und über die gesellschaftlich bedingten Einschränkungen von Frauen erfahren ..."

(Juliane Brumberg)

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