Pressestimme zu "Käthe, meine Mutter"

Aus: Ostholsteiner Anzeiger vom 16.10.2002

"... Sie eröffnet ihre Lesung in der Kreisbibliothek mit einem Eingeständnis, und im Publikum atmet jemand hörbar tief durch: ‚Meine Mutter Käthe starb elf Jahre nach einem Zerwürfnis, das ich verschuldet habe, und wir blieben unversöhnt.’ ... ‚Ich habe nicht geschafft, was ich heute jeder Frau ans Herz legen möchte: Suchen Sie die Annäherung, bevor die Mutter nicht mehr ist. Beide werden dies als ungeheure Befreiung und Belebung erfahren.’ ...

An der Notwendigkeit ihrer Arbeit habe sie nicht gezweifelt; in Jahren meist feministisch geprägter Forschungen habe sie verstanden, dass Frauen sich selbst sabotierten, wenn sie immer wieder, Generation für Generation, ihre Mütter beschuldigten - und das im Grunde nur, weil sie zu wenig über sie wüssten und zu wenig Mitgefühl und Solidarität aufbrächten. ‚Die Mütterschelte, die wir Frauen betreiben, ist falsch.’ ...

Die Textauswahl der Autorin verknüpft mit Bedacht Großmutter, Mutter und Tochter, zeigt rote Fäden, Parallelen, Verschiedenartiges auf. Männer spielen in diesem Buch kleinere Rollen. Dass schon Käthe als Erwachsene ihre eigene Mutter verächtlich behandelt habe und sie, Marianne, als Kind Zeugin dessen wurde, habe Folgen gehabt: ‚Ich habe gelernt, dass es okay ist, eine Mutter nicht zu achten.’

Ihr Studium an der Freien Uni Berlin bei Herbert Marcuse, die Vorboten der Studentenbewegung, die sich formierende Revolte gegen Alt-Nazis und ihr Erbe - Marianne Krüll, damals 27, braust zwar im biederen Faltenrock, aber immerhin per Motorroller durch Berlin, und rüstet sich zur Attacke auf die Mutter, zur Abrechnung, und das im festen Glauben, im Recht zu sein: ‚Ich war schrecklich borniert.’

Der Bruch wird nie mehr gekittet, der Autorin gelingt die Versöhnung nicht. Warum? Sie sagt es nicht direkt. ‚Eigentlich wollten wir immer dasselbe, statt dessen kämpften wir aber gegeneinander. Ihr Ratschlag: ‚Mütter warten irgendwie darauf, dass die Töchter den Mut finden, ihnen das Verschwiegene zu sagen. Doch das muss in Respekt geschehen, in der Bereitschaft, die andere Sicht der Dinge zu achten.’ ..."

(Heidi Behrens)

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