Pressestimme zu "Käthe, meine Mutter"

Aus: www.frauensachbuch.de, Mai 2001

"Dass die eigene Familiengeschichte ebenso interessant ist wie die von Berühmtheiten, offenbaren bereits die fesselnden Anfangskapitel des Buches, die (Marianne Krüll) ihren Vorfahren widmet. Im Blickfeld auf ein Jahrhundert Zeitgeschichte in Ost und West hat sie alle wichtigen Lebensstationen ihrer Mutter eingebettet. Damit eröffnet sie den Leserinnen zugleich die Möglichkeit, Parallelen oder Ähnlichkeiten zu ihrem Elternhaus zu ziehen. Gute und negative Erfahrungen werden wie von selbst wach und geben Anlass, emotionale Bindungen von Eltern und Kindern neu zu überdenken. Mit der Frage "Wer war meine Mutter?" stellt sich Marianne Krüll (65) bewusst ihrer eigenen Geschichte, die für sie zu einer Art Gratwanderung wird. Viele Töchter der Nachkriegszeit sehen ihre Mutter ebenso beschrieben wie Käthe: eine unscheinbare Frau, die den Zeiten entsprechend "einfach" und "bescheiden" lebte.

Für die Auseinandersetzung mit ihrer seit über 25 Jahren verstorbenen Mutter wählte die Autorin die Form der direkten Ansprache, so als könne sie ihr noch Fragen stellen. Die Erzählungen über die Vergangenheit gewinnen dadurch an kraftvoller Intensität. Ihre Recherchen führen sie in viele Orte und auf Fährten zu dem, was Familie bedeutet. Bei Verwandten und Freunden betreibt sie Nachforschungen. Mit der ergänzenden Foto-Auswahl lässt sie einen Eindruck vom Äußeren der beschriebenen Personen lebendig werden. Vor allem sind es aber Briefe und Tagebuchaufzeichnungen, mit denen sie den bisher ihr unbekannt gebliebenen Teil des Lebens ihrer Mutter rekonstruiert ... Sie wird sich wieder all der Gefühle bewusst, die sie seit jungen Jahren empfand. Schicht um Schicht deckt sie verschüttete Erinnerungen auf. Unerschrocken stellt sie sich den Verstrickungen und dem großen Zerwürfnis mit ihrer Mutter in ihrer studentischen "Revoluzzerzeit". Vorsichtige Annäherungsversuche gab es zwar anschließend, aber zu einer Versöhnung kam es nicht mehr ... Mit großer Offenheit schildert die Autorin ihre Gefühle der Ablehnung und Befreiung von der Mutter, lastet ihr auch noch in der Erinnerung Fehler an. Andererseits gesteht sie ein, die Mutter unnötig verletzt zu haben. Für den Schock und die Trauer, die der frühe Tod der Mutter in ihr auslösten, findet sie ihren ganz persönlichen Ausdruck. Sich von Selbstvorwürfen zu lösen, gelingt ihr erst bei ihrer Spurensuche in die Vergangenheit und durch die schriftliche Aufzeichnung der Erlebnisse. Verständlich, dass sie sich dabei oftmals so vorkommt, als schriebe sie nicht über sich selbst, sondern über eine andere, ihr fremde Person. Doch gerade aus der Darstellung widerstreitender Gefühle gewinnt das Buch an Lebendigkeit und Authentizität."

(Marlies Hesse)

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