Pressestimme zu "Käthe, meine Mutter"

Aus: Ankündigung der Sendung ?Erlebte Geschichten. Es war immer Sommer?, WDR 5 (Rundfunk), Mai 2001

"Die Bonner Soziologin und Schriftstellerin Marianne Krüll erzählt von ihrer Kindheit in einer Berliner Laubenkolonie. ‚Tsingtau’ - nach der ehemaligen chinesischen Kolonie des deutschen Kaiserreichs - hieß die Laubenkolonie in Berlin Spandau, in der Marianne Krüll 1936 geboren wurde und aufwuchs. Das Holzhaus ohne fließend Wasser und mit Plumsklo war für die Tochter eines Tischlers und einer technischen Zeichnerin das Paradies einer unbeschwerten Kindheit schlechthin: Warmer Sand unter den Füßen, reife Himbeeren ohne Ende, frische Möhren aus der Erde: ‚Irgendwie war immer Sommer’. Der Krieg war weit weg, und die seit den zwanziger Jahren Jugend- und wanderbewegten Eltern wanderten mit den Töchtern an der Ostsee und im Berliner Umland: Die Natur als Abenteuer. Aber Marianne Krüll sollte auch die ungelebten Bildungsträume ihrer Mutter nachholen, bekam programmatisch eine akademisch gebildete Patin und wurde eine extrem gute Schülerin - die von ihren Mitschülerinnen nicht besucht wurde, weil es in der Laube kein Klosett gab. Von den Leistungsanforderungen der Mutter konnte die fleißige Tochter sich Anfang der fünfziger Jahre befreien, als sie mit zu den ersten in der Nazizeit aufgewachsenen Jugendlichen gehörte, die zu einem ‚Re-Education’ Programm in die USA geladen wurden. Die Wanderfreude und Naturliebe aber hat sich die spätere Akademische Rätin an der Universität Bonn und Schriftstellerin ("Im Netz der Zauberer - Eine andere Geschichte der Familie Mann") bis heute bewahrt."

(Ulla Lessmann)

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