Pressestimme zu "Manawa Toa"

Aus: The Lesbian Review of Books, Frühling 2001 (übersetzt)

"Kampf für ein atomwaffenfreies Paradies

Seit dem achtzehnten Jahrhundert kämpfen die indigenen Völker des Südpazifiks darum, ihre Inseln und das Meer vor dem Eindringen und der Ausbeutung der weißen Kolonisten aus Europa und den USA zu bewahren. Angesichts der Tatsache, dass ihre Länder zunehmend als Tummelplatz für Touristen und Militärangehörige behandelt und als Müllabladeplatz für die Giftstoffe der westlichen Industrienationen benutzt wird, kämpfen die Völker von Hawai’i bis Neuseeland darum, ihre jeweilige Inselheimat und Kultur zu schützen.

Die Geschichte dieses Kampfes bildet den Hintergrund für Cathie Dunsfords jüngsten Roman, Manawa Toa. Er ist der dritte in einer Romanfolge, die die Reise der jungen lesbischen Maori Umweltschützerin Cowrie aufzeichnet. Cowrie ist nach Aotearoa zurückgekehrt, der Maori Name für Neuseeland, nach Te Ika-a-Maui, der Nordinsel von Aotearoa, der Heimat der Maori. Hier beteiligt sie sich am Kampf gegen die Atomtests im Südpazifik.

Dunsford verbindet geschickt die Geschichte von Cowrie und ihren Mitstreitern in der Vorbereitung für ihre Fahrt mit der Manawa Toa in die atomare Testzone der französischen Regierung mit den tatsächlichen Protesten, die Mitte 1990 gegen die französischen Atomtests auf dem Moruroa-Atoll in der Nähe von Tahiti stattfanden, einer von Hunderten von Tests, die seit den 1960er Jahren das Land, das Meer und das Volk von "Französisch-Polynesien" vergiften.

Dunsfords zweites Cowrie-Buch Die Reise nach Hause: Te Haerenga Kainga, im Deutschen in dem Doppelband Kia Kaha Cowrie gemeinsam mit dem ersten Band Cowrie erschienen, folgte den Spuren von Cowries Reise in die USA als Fulbright-Stipendiatin an der UC Berkeley, wo sie sich in die machiavellistische amerikanische Universitätspolitik verstrickte ... In Manawa Toa hält Cowrie weiterhin Kontakt mit den indigenen Frauen in den USA, den sie in Die Reise nach Hause geknüpft hatte und er wird Teil des vielschichtigen globalen Netzwerks, der sie in ihren Aktivitäten unterstützt.

Kontakt halten und knüpfen ist einer der Hauptfäden in der Geschichte. Das Internet verbindet die Demonstranten von Greenham Common mit denen des Südpazifik, der weitgestreute Kreis von Aktivistinnen rund um die Welt halten ihre Kommunikation durch die elektronische Flüsterpropaganda via email, der "Buschtrommel" des Jahrtausends, aufrecht. Sie engagieren sich alle in demselben Kampf, wie eine der Hauptpersonen bemerkt: "Die atomare Verseuchung Moruroas, der Uranabbau auf dem Land der Aborigines und das Aufreißen von Navajo- und Hopiland am Big Mountain, um an Uran zu kommen. Es ist immer dasselbe Spiel, und immer sind es die Weißen, die die Schwarzen nuklear verseuchen."

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Die im Buch vermittelte politische Geschichte ist informativ und aufschlussreich für Menschen wie mich, die beschämend wenig über das traurige Vermächtnis des Kolonialismus im Südpazifik wissen. Dunsford lässt nicht nur die Opfer der französischen Atomtests zu Wort kommen, sondern erzählt auch die Geschichte von Rongelap, eine der Marshallinseln, das durch den radioaktiven Niederschlag in den 1950er Jahren verstrahlt wurde, als die US Regierung dort Bomben zündete, die tausendmal stärker als die Hiroshima-Bombe oder die auf den Bikini-Atoll waren. Von der Regierung über das Ausmaß der Verseuchung belogen starben die Inselbewohner an durch nukleare Verstrahlung ausgelösten Krankheiten und Frauen gebaren Babys, die ohne Augen und Gliedmaßen waren, die sogenannten Jellyfish-Babys, bis sie schließlich in den 1970er Jahren Rongelap verließen.

Doch das ist noch nicht alles. Dunsford baut Intrigen und Spannung in den Handlungsverlauf ein, während die Demonstranten mit dem Schiff zum Testgelände fahren. Schließlich und endlich waren es in der Tat Agentinnen des DGSE (Direction Generale de la Securité Exterieure, der französische Geheimdienst) die in den 80er Jahren in das neuseeländische Greenpeace-Büro eingeschleust wurden, bevor die französischen Saboteure die Bomben legten, die das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior im Hafen von Auckland zerstörten. Wem läßt sich trauen? Darüber hinaus: Wie soll eine Gruppe Frauen und Männer in einem waka (Kanu) nur mit Paddeln bewaffnet und dem haka (Kampfgesang) ihrer Ahnen auf friedliche Weise die massive Macht der französischen Sicherheitskräfte herausfordern, die entschlossen sind, sie zu stoppen? Doch Solidarität und die Weisheit des Stammes tragen den Sieg davon, weil, wie Cowrie sagt: ‚Du lernst mit allen Mitteln zu kämpfen und Netzwerke zu knüpfen, wenn du dich einem so gewaltigen Machtsystem widersetzt.’...

Wenngleich das Thema oft düster ist, hat Dunsfords unzähmbare Heldin Cowrie eine derart mitreißende Mischung aus Humor, Sinnlichkeit, wilder Entschlossenheit und Optimismus, dass die Story nicht deprimierend wirkt. Manawa Toa ist ein haka, ein Kampfgesang, für den Südpazifik und fungiert als wertvoller Einführung in die Traditionen und die Zukunft der Menschen, die um den Erhalt und Schutz dieses Paradieses kämpfen."

(Sue Pierce)

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