Pressestimme zu "maria liest"

Aus: Rüsselsheimer Echo vom 7.12.2004

"Frauen denken ‚Maria’ anders. In ‚Maria liest. Das heilige Fest der Geburt’ erobern sich evangelische Theologinnen die Figur der Mutter Gottes zurück.

Maria liest. Joseph sitzt neben ihr im Stall von Bethlehem und herzt den kleinen Jesus. So stellen Künstler im 15. Jahrhundert Weihnachten in Buchillustrationen dar ... Maria, die Gebärerin, bringt nicht nur mit ihrem Körper den Retter zur Welt, sondern auch mit ihrem Geist. Denn Lesen bedeutet Sinn sammeln, die Welt auslegen, eigenständig urteilen und das Verhältnis zu Gott bestimmen. Weihnachten wird somit auch zum Fest der geistigen Erneuerung.

‚Maria liest’ ist ein frauenphilosophisches und theologisches Weihnachtsbuch, das wieder Freude schafft am großen Fest. 18 Abbildungen verdeutlichen den Zusammenhang zwischen Lesen, Geburt, dem Verhältnis zu Gott und der Welt.

In 13 Aufsätzen betrachten zehn Theologinnen und frauenbewegte Denkerinnen das Geschehen rund um Jesu Geburt. Sie durchleuchten die Beziehungen der neutestamentarischen Frauen zueinander und benennen die Auswirkungen auf das westliche Denken. Sogar die ‚Patchwork-Familie’ von Maria, Joseph und dem Kind bestimme noch unsere Gesellschaft.

Da ist kein Zweifel: Am Anfang des Neuen Testamentes bestimmen die Frauen. Sie bringen den Glauben auf die Erde. Maria tut das keineswegs passiv, was ihr verheißen ist. Sie ist neugierig. ‚Wie kann das sein?’, fragt sie, als der Erzengel Gabriel ihr die Geburt Jesu verkündet. Er muss ihr das Wunder erklären. Dann trifft Maria eine freie Entscheidung: Sie stimmt ihrer Mutterschaft zu. Andrea Günter geht noch weiter: Durch diesen Akt erlöst Gott die Frauen aus ihrer alttestamentarischen Benachteiligung. Im Gebet ‚Magnifikat’ spricht Maria es aus: ‚Gott hat auf die Herabsetzung seiner Sklavin geschaut. Seht, von nun an werden mich preisen alle Geschlechter.’ Und das alles durch die Geburt, das Geborenwerden und das Gebären.

Evangelische Theologinnen wie Ulrike Eichler, Birge Krondorfer und Eva Loos erobern sich auf dieser Grundlage die Figur der Maria zurück. Antje Schrupp untersucht das Sozialgefüge in Herbergen, von denen Maria abgewiesen wurde. Ina Praetorius denkt über das freie ‚Ja’ der Entscheidung Marias nach. Demnach macht sich die Menschwerdung Gottes nicht selbst, sondern wird von einer Frau gegeben. Hanna Strack sinniert über die Arbeit der Hebammen und das Wunder der Geburt, in dem mehr steckt als der körperliche Akt. Es ist das ‚Ja’ zum Leben und zum Neubeginn.

Da im Hebräischen das Wort für Barmherzigkeit das gleiche ist wie für Gebärmutter, liest sich laut Günter der Lukas-Text so: ‚Dem Gebären und Geborenwerden soll gedacht werden.’ Das Leben wird also von seinem Anfang betrachtet und nicht von seinem Ende. Gibt es einen tröstlicheren Gedanken zu Weihnachten?"

(mar)

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