Pressestimme zu "Der Atem von Frauen"

Aus: frauen unterwegs, 3/1999

"Das Buch ist schon ein Klassiker, obwohl erst knapp zwei Jahre auf dem Markt. Die Autorin und Herausgeberin, Luce Irigaray, ist Philosophin, Linguistin und Literaturwissenschaftlerin. Atmen versteht sie als eine Urgeste des Lebendigen, dessen Kultivierung, wie sie es nennt, uns zum Spirituellen führt, in die Stille der eigenen Seele. Dorthin zu gehen braucht frau auf dem Weg zu sich selbst, so Irigaray.

Und so ist das Buch eine weibliche Spurensuche. Der Spur wird von verschiedenen europäischen Autorinnen und einer amerikanischen auf unterschiedliche Art und Weise nachgegangen. Das Buch verfügt über die Teile Suche nach spirituellen Müttern und Schwestern der Frauen, einem Kapitel darüber, welcher Sprache sich Frauen bedienen, um anders zu kommunizieren, und dem größten Kapitel Frauen entdecken den Schlüssel für eine weibliche Spiritualität.

Alle Autorinnen lassen uns an ihrem speziellen Gottes - oder: Göttinen-Annäherung teilhaben, wenn auch nicht immer ausdrücklich von Gottsuche die Rede ist. Mirjam begegnet uns im ersten Kapitel wieder, wird von der Autorin Bolli in den Rang einer Prophetin erhoben, die in einer extremen Situation eine ganz bestimmte Gottesbeziehung - unter Tanzen und Paukenschlag - herzustellen vermag. Das zweite Kapitel widmet sich der Figur Marias; hier ist u.a. die belgische Schriftstellerin Marguerite Yourcenar mit einer Marienfabel vertreten.

Den größten Teil des Buches nimmt die Suche nach der spezifisch weiblichen Spiritualität ein. Die italienische Theologin Adriana Zarri bringt z.B. ihre Suche auf die Formel: ‚Sich den kosmischen Armen der Erde hingeben, sich den Armen des Lebens hingeben ist die weibliche Art und Weise, sich den Armen Gottes hinzugeben.’ Und in ihrem persönlichen Beitrag zum Buch wundert sich die katholisch sozialisierte Luce Irigaray, dass ‚viele Frauen, insbesondere die Frauen, die achtsam gegenüber ihrer Befreiung sind, heute eher Jesus oder seinen Jüngern als Maria nachfolgen wollen.’ Sie entwickelt sie Idee einer ‚spirituellen Virginität’, die die Geschichte Marias in einem neuen Licht sieht und für die Frauen erlösend sein kann. Das Buch schließt mit einem protokollierten Gespräch verschiedener Theologinnen über die Bedeutung des Göttlichen für Frauen, das an der Universität von Utrecht geführt wurde.

Der Atem von Frauen motiviert, selbst auf Spurensuche zu gehen - geleitet vielleicht von der Idee einer dieser Frauen. Und so eignet sich das Buch, immer mal wieder in die Hand genommen zu werden, je nachdem auf welcher Stufe des Suchens, des Sich-Findens frau momentan angekommen ist."

(Karin Richter-Knapp)

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