Pressestimme zu "Mutterland ... nach dem Holocaust"

Aus: Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte, H 41, Mai 2002

"Im Jahre 1938 wurde die damals 12-jährige Edith Westerfeld, geboren und aufgewachsen in Stockstadt am Rhein, von ihren Großeltern ganz allein nach Amerika ‚verschickt’. Sie gehörte zu den etwa 10.000 Kindern aus Österreich und Deutschland, die mit den so genannten Kindertransporten dem Naziterror entfliehen konnten ...

Die meisten Kinder sahen ihre Eltern nie wieder, so auch Edith und ihre Schwester. Sie waren von der Vergangenheit, von ihrer Kultur und ihren Traditionen abgeschnitten, insbesondere nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, durch den ein regelmäßiger Briefkontakt erschwert und später unmöglich gemacht wurde. Sie befanden sich in ständiger Sorge um ihre Eltern und Verwandten und mussten sehr jung mit Erfahrungen von Entwurzelung, Verlust und Trauer umgehen ...

In den letzten Jahren sind zahlreiche Autobiographien und Biographien von Überlebenden dieser Kindertransporte erschienen. Frappierend ist, dass sich ihre Erfahrungen in erschütternder Weise ähneln. Das Buch ‚Mutterland ... nach dem Holocaust’ von Fern Schumer Chapman ... unterscheidet sich ein wenig von den bisher veröffentlichten Lebensberichten. Ein Unterschied liegt darin, dass die Tochter die Geschichte ihrer Mutter erzählt, dabei aber nicht zur Protagonistin wird. Sie skizziert nicht nur die Lebensgeschichte der Mutter, sondern beschreibt in sehr poetischer Weise ihre Auseinandersetzungen, erzählt von ihrer Suche nach dem Dialog, nach der Vergangenheit, nach der Identität und nach den konkreten Kindheitserfahrungen der Mutter. Es ist ein einfühlsames, authentisches und nach Wahrheit ringendes Buch ...

Mehr als 50 Jahre nachdem Edith Westerfeld Deutschland verlassen musste, reiste sie zum ersten Mal nach Deutschland, begleitet von ihrer Tochter. Bis zum Schluss war nicht sicher, ob sie diese Reise wirklich antreten würden, selbst im Flugzeug plagten sie Zweifel, ahnte sie doch, dass diese Begegnung mit der Vergangenheit schmerzhaft sein könnte. Am Anfang dieser Reise wusste die Erzählerin nicht viel über ihre Mutter, sie war ihr stets merkwürdig fremd geblieben ... Nach dieser Reise in die Vergangenheit gelang es Fern Schumer Chapman nach und nach, Bausteine der Biographie ihrer Mutter zusammenzusetzen ...

Das Buch von Fern Schumer Chapman ist ein überaus lesenswertes Buch. Es geht um Mütter und Töchter, um Vergangenheit, um das schwierige Verhältnis zwischen Opfern und Tätern ... Am Ende konstatiert die Autorin, dass ‚niemand dem Deutschland der Nazis ohne Narbe entkommen’ sei ..."

(Gudrun Maierhof)

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