Pressestimme zu "Mutterland ... nach dem Holocaust"

Aus: Groß-Gerauer Echo vom 22.3.2002

"... ‚Mutterland’ ... erzählt die Geschichte der Edith Westerfeld aus Stockstadt, Tochter des deutschen Paares mosaischen Glaubens Frieda und Siegmund Westerfeld. Den Todeslagern der Nazis entkam die Zwölfjährige, als sie 1938 mit den Kindertransporten allein nach Amerika geschickt wurde. Aber sie war entwurzelt, litt jahrzehntelang unter der Leere der Vergangenheit, wie die Autorin auch an kleinen Beispielen darstellt.

Mit ihrer Tochter Fern kehrte Edith Schumer 52 Jahre nach der Flucht in die Heimat zurück, die sie so viele Jahre gemieden hatte. ‚Kehren auch Opfer an den Tatort zurück?’, philosophiert die Tochter. Erkenntnis: Niemand entkommt dem Einfluss des Vaterlandes, das in der Mutter-Tochter-Erzählung zum Mutterland wird.

Holocaust-Überlebende und deren Angehörige verdrängen die Antwort auf die Frage: ‚Woher kommst du?’ Ihr deutsches Leben verdiente keine Aufzeichnung ... Das Buch der Tochter zeichnet Stationen nach, die fehlende Historie der Mutter hinter sich zu lassen, war Ergebnis des Prozesses, den Mutter und Tochter gemeinsam erlebt haben. Entstanden ist dabei ein einfühlsames, trotz subjektiver Härten nahezu liebevolles Beispiel für die Überwindung einer ‚abgebrochenen Vergangenheit’ nach 52 Jahren.

Der Text bietet reichlich Diskussionsstoff, wenn Edith im Ried in Heimatforscher Hans Hermann einen nachdenklichen Begleiter findet, am Klassentreffen teilnimmt, ’Kindermädchen’ Mina wiedersieht, die, genau wie Edith, noch an den Ereignissen vor 50 Jahren leidet.

An dem ‚Gemeinschaftswerk Mutterland’ waren viele beteiligt ... Die Beurteilung der Beteiligten ist nahezu einhellig: Weil das Buch emotional geschrieben sei, sei es so gut. Im Tonfall seien die Verletzungen zu hören, so dass der noch immer vorhandene Schmerz anerkannt werden müsse."

(bg)

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