Pressestimme zu "Mutterland ... nach dem Holocaust"

Aus: Mainspitze vom 9.4.2002

"Ein leerer Bilderrahmen. 227 Seiten später ist er mit Leben gefüllt: Dann enthält er ein Foto von Edith Westerfeld mit ihren Eltern Frieda und Siegmund sowie zwei Katzen - aufgenommen 1938, kurz vor der Flucht des Mädchens in die Vereinigten Staaten. Edith Westerfeld ist zwölf Jahre alt, als sie mit einem der zahlreichen Kindertransporte jener Zeit zu Verwandten nach Chicago geschickt wird. Sie hat ihre Eltern nie wieder gesehen.

52 Jahre später, im Oktober 1990 kehrt Edith Westerfeld - begleitet von ihrer schwangeren Tochter Fern - nach Stockstadt am Main zurück. Eine Woche lang treffen sie Menschen, die die jüdische Familie gekannt haben, befreien auf der Suche nach den letzten Ruhestätten von Verwandten vergessene Gräber von Kletterpflanzen und Unkraut, finden in einem kleinen Museum Gebrauchsgegenstände aus dem Haushalt der Familie.

Fern Schumer Chapman hat die Eindrücke jener Reise in zahlreichen Notizen, Briefen, Fotos, Tonbandaufnahmen festgehalten und nach der Geburt ihrer Tochter sowie einem weiteren Besuch in Deutschland zu einem Buch verarbeitet, von dem seit seinem Erscheinen in den Vereinigten Staaten bereits mehrere Auflagen verkauft wurden. Es wurde für den ’National Jewish Book Award’ nominiert und in mehrere Sprachen übersetzt. Auch an eine Verfilmung wurde bereits gedacht. Der Christel Göttert Verlag ... wurde vom ‚Förderverein Jüdischer Geschichte und Kultur im Kreis Groß Gerau’ auf die eindringliche Erzählung aufmerksam gemacht.

‚Der Versuch, meine Mutter zu verstehen, ist so, als begänne ich ein Buch erst in der Mitte zu lesen’, schreibt Fern Schumer Chapman. Jahrzehntelang hatte ihre Mutter die Vergangenheit unter Verschluss gehalten ... Auf Fragen nach ihrer Kindheit antwortete sie - wenn überhaupt - nur ausweichend. Für ihre Tochter stellte sie sich ‚als nahezu abstammungslos dar, ohne Geschichte, ohne Nebendarsteller ...’

‚Mutterland ... nach dem Holocaust’ ist ein fiktiver Reisebericht. Es ist eine sehr persönliche Wahrnehmung und Auseinandersetzung einer Autorin mit der Geschichte ihrer Mutter und der Frage, welche Rolle diese für ihr eigenes Leben spielt. Authentisch anmutende Beschreibungen jener Reise in die Vergangenheit der Mutter wechseln mit Rückblenden, zuweilen fast analytisch erzählten Erinnerungen an die eigene, von der Verschlossenheit ihrer Mutter belastete Kindheit. Ein Buch über Mütter und Töchter, das den Lesern aus der Region zugleich einen völlig neuen, amerikanischen Blick auf eine gleichermaßen bekannte wie fremde Welt eröffnet: Das Stockstadt am Rhein der Nazi-Zeit."

(Andrea Duphorn)

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