Pressestimme zu "zwischen den welten"

Aus: Hagia Chora. Zeitschrift für Geomantie, 17/2003

"Die Bildhauerin Eva-Gesine Wegner beschreibt in diesem Buch das Kernthema ihres künstlerischen Wegs - ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte der Hexenverfolgung. Es entstand aus dem Impuls heraus, den Teil Geschichte der Frauenbewegung sichtbar werden zu lassen, der sich seit den 80er-Jahren für das Gedenken und die Ehrung der zigtausend durch den Hexenwahn ermordeten Menschen engagiert.

‚Eva im Alten Testament wurde durch die Sündenfallgeschichte zur ersten Frau, die als Hexe diffamiert wurde. Einen Gott, der Menschen verbietet, von der Erkenntnis zu essen, den kann ich mir nicht vorstellen.’ Diese Einsicht stürzte die Pfarrersfrau Gesine-Eva Wegner, so ihr Taufnahme, in eine tiefe Glaubenskrise. In ihrer Tonwerkstatt suchte sie im künstlerischen Ausdruck durch ihre Hände nach einem neuen Weg, hin zu ihrer Identität als Eva, die ihren Namen in der ursprünglichen Bedeutung als ‚Mutter alles Lebendigen’ begreift.

Auf einem Frauenseminar in Loccum begegnete sie erstmals der unaufgearbeiteten Hexengeschichte eines Ortes. Hier erlebte sie auch erstmals die transformierende Kraft eines heiligen Ortes in der Natur, einer Quelle, und die bedrückende Atmosphäre eines von seiner Geschichte unerlösten Platzes - am ‚Hexenloch’, einem Teich auf dem Geländes des Klosters Loccum, wo vermutlich die ‚Wasserprobe’ einer Hexe stattgefunden hat. In den Frauen, die sich anlässlich des Seminars in Loccum zusammengefunden hatten, wuchs der Wunsch, hier eine Skulptur zum Gedenken an die umgekommenen ‚Hexen’ aufzustellen, was allerdings bis heute wegen des Widerstands des Klosters nicht realisiert wurde. Anders in der Stadt Gelnhausen, wo eine Gruppe Frauen viel politische Arbeit leistete, so dass dort 1986 erstmals in Deutschland ein Ehrenmal für die Opfer der Hexenverfolgung aufgestellt werden konnte...

Bald entwickelte sich ein deutschlandweites Netzwerk von Frauen, die an ihren Lebensorten Ähnliches realisieren wollten und erstaunliche Durchsetzungsfähigkeit bewiesen. Es gelang ihnen z.B., eine ‚Kräuterhexen-Werbung’ der Firma Colgate, die zu einer Kostümverlosung in die ‚Hexen-Stadt’ Lemgo einlud, zu stoppen und Lemgo zu einem anderen Umgang mit seiner Hexen-Geschichte zu bewegen.

Eva-Gesine Wegner schildert in ihrem Buch besonders die innere Arbeit, die alle an diesem Prozess Beteiligten geleistet haben, indem sie viele Briefe, Tagebuchnotizen, Gedichte oder Zeitungsartikel von ihr und anderen in die Geschichte einflicht. Im Mittelpunkt stehen dabei immer das Motiv der Würdigung und das Motiv der Versöhnung. Eva-Gesine Wegners Skulpturen bilden nicht das Leiden ab, sondern seine Verwandlung. Sie wirken im Sinne der jüdischen Weisheit: ‚Erinnerung ist das Geheimnis der Versöhnung.’"

(L.M.)

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