Pressestimme zu "unverbrauchte worte"

Aus: Rhein Main Presse vom 12.7.2005

"’Unverbrauchte Worte’ - auf die Suche danach hat sich Chiara Zamboni in ihrem gleichnamigen Buch begeben. Die Rüsselsheimer Verlegerin Christel Göttert und das Frauenzentrum hatten am vergangenen Sonntag zu einer Lesung eingeladen ...

Zamboni, Professorin für Sprachphilosophie in Verona, untersucht seit langem, in welcher Weise Sprache die Beziehungen zwischen Menschen untereinander, aber auch zwischen Menschen und Dingen vermitteln. Sie gehört dem italienischen Philosophinnenkreis ‚Diotima’ an. ... Deren zentraler Aspekt ist der Differenzfeminismus ...

Ihr geht es jedoch nicht darum, die Sprache als solches auseinander zu nehmen und zu verstehen ... ‚Die Sprache als Mittel zu einer neuen Politik, einer Politik der Frauen - das ist das Zentrale für mich.’ Deswegen warnte sie Frauen auch davor, sich mit der Verweiblichung von Begriffen - wie im Deutschen die ‚in’-Endung - zufrieden zu geben. ‚Das heilt nur vorübergehend die Kränkung, die Frauen durch ihre jahrelange Unsichtbarkeit ertragen mussten’, so die Philosophin.

In fünf Kapiteln zeigt ihr Buch, dass menschliches Begehren über die Sprache Neues kreieren und die Welt verändern kann. Dazu hat sie Texte von Walter Benjamin und Virginia Woolf herangezogen. Zusätzlich erläutern Kommentare der Übersetzerin Dorothee Markert, die sich seit Jahren mit der Philosophie der Diotima auseinandersetzt, das komplexe Thema.

Diese hatte dann auch ein Beispiel dafür parat, was Zamboni und Walter Benjamin ‚Sprache der Dinge’ nennen: ‚Hausarbeit zum Beispiel, eine typische Frauentätigkeit, hat viel mit Liebe zu den Dingen zu tun." Doch diese Arbeit werde meistens nicht wertgeschätzt. ‚Wenn wir die Dinge aber mit mehr Respekt behandeln, hindert uns das vielleicht auch daran, Menschen zu instrumentalisieren’, appellierte die Freiburger Sozialpädagogin.

Hier greift letztendlich auch Zambonis Suche nach den ‚unverbrauchten Worten’ an: in der heutigen Welt der Medien und der Politik, in der zunehmend nur leere Floskeln, Phrasen und Standardsätze herrschen. Doch Zambonis Worte verblieben optimistisch: ‚Dort, wo die Worte die Notwendigkeit begleiten, hört das leere Getöse auf.’"

(Rosa Vollmer)

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