Pressestimme zu "Zukunft der Frauenbewegung"

Aus: ab40, 2/05

"Was hat die Frauenbewegung erreicht? Hat sie eine Zukunft? Wem sich diese Fragen angesichts der Kürzungen in nahezu allen Frauenbereichen aufdrängen, dem sein Antje Schrupps Büchlein ‚Die Zukunft der Frauenbewegung’ empfohlen. Die Autorin weist auf weit verbreitete Denk- und Handlungsmuster unter Frauen hin, die der Bedeutung des weiblichen Begehrens nicht gerecht werden. Dieses ‚... Begehren, sich nicht länger entweder einem Bild von Weiblichkeit anpassen zu müssen, das andere entworfen haben, oder aber die eigene Weiblichkeit verleugnen zu müssen ...’, beschreibt sie als Auslöser der Frauenbewegung.

Wenn aber nicht der Mangel an Geld, Karrieremöglichkeiten oder Einfluss die Frauen zusammenführt hat sondern die Fülle des weiblichen Begehrens und die Entdeckung der weibliche Freiheit, schlussfolgert sie, gibt es für Frauen keinen Grund, die Frauenbewegung als gescheitert zu betrachten. In Anlehnung an die italienischen Philosophinnen um Luisa Muraro erläutert sie die Notwendigkeit der Vermittlung des Begehrens. ‚Etwas nur zu begehren, das reicht nicht. Wer das eigenen Begehren in die Welt tragen will, muss darüber verhandeln.’ Das Begehren wird in eine symbolische weiblich Ordnung gestellt, wenn es sich an eine wendet, die ein Mehr zur Verfügung hat, ein Mehr an Ressourcen, an Wissen. Dazu braucht es weder Ämter noch Geld, noch Einfluss. Nur den Mut, dem eigenen Begehren auf die Spur zu kommen, es gerade in den Zeiten des Mangels zu nutzen, um neue Ideen und Antworten zu finden.

Mit einem Blick auf Gesellschaft wird beispielhaft erläutert, dass die ‚Ordnung der Väter’ (Patriarchat) der ‚Unordnung der Brüder’ gewichen ist, die keine Verantwortung mehr übernehmen wollen. Gerade heute, wo sie die Chance haben, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, bekommen das die Frauen besonders zu spüren. Die Grenzenlosigkeit der ‚Unordnung’ macht einerseits Angst, birgt aber andererseits die Möglichkeit zu einer neuen Ordnung in sich. ‚Was der Politik des Spektakels nämlich abhanden gekommen ist, das ist der Sinn für das persönliche Begehren und für konkrete Beziehungen, also genau das, was das Wesentliche des Politischen ist: mit anderen über meine Wünsche zu verhandeln.’ Wenn Frauen jedes weibliche Begehren und der Realität, begeben sie sich auf den Weg einer neuen Ordnung. Weibliche Autorität bezieht sich immer auf das konkrete Anliegen, sie sucht keine Zielgruppe und meint schon gar nicht ‚die Frauen’."

(Bettina Melzer)

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