Pressestimme zu "Käthe, meine Mutter"

Aus: Lippische Landeszeitung vom 10.3.2005

"’Diese Geschichte ist eigentlich harmlos; kein Mond, nichts.’ Trotzdem durfte sich Marianne Krüll über ein gespanntes Publikum der Augustdorfer Gemeindebücherei freuen, das ihre Selbsteinschätzung schließlich keineswegs teilte. Die Autorin las anlässlich des internationalen Frauentages am Dienstag aus ‚Käthe, meine Mutter’.

‚Wer eine Geschichte über seine Mutter schreibt, der berichtet klar auch über sich selbst’, erklärte die Bonner Autorin zu Anfang der Lesung. In der Biographie über ihre Mutter Käthe begibt sich die promovierte Soziologin auf Spurensuche nach ihr, deren Mutter und Großmutter. Die Nachforschungen gehen teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurück, doch hauptsächlich geht es um Käthe und deren Beziehungen zu ihrer eigenen Mutter.

Den Zuhörern in Augustdorf, fast ausschließlich Frauen, rät sie, eine solche Spurensuche am besten zusammen mit der Mutter zu machen. Zu einer gemeinsamen Suche hatte Marianne Krüll selbst keine Gelegenheit mehr. Ihre Mutter ist seit 30 Jahren tot, sie starb unversöhnt mit ihrer Tochter, ‚an gebrochenem Herzen’, wie die Autorin nicht ganz ohne Schuldgefühle erzählt. Der Versuch, beim Schreiben objektiv zu bleiben, sei gescheitert und so richtet sich Krüll in dem Buch per du-Anrede direkt an ihre verstorbenen Mutter. ‚Für mich war die Verschriftlichung ein wichtiger Prozess, doch es hat lange gedauert, bis ich alles aufschreiben konnte.’

Doch sie hat das Buch nicht nur für sich geschrieben, sondern auch für andere Frauen. Die Autorin will zeigen, dass man die Mutter auch als Frau sehen muss. Marianne Krüll selbst war bestrebt, nicht nur als Tochter zu schreiben, sondern ‚von Frau zu Frau’.

In der umfassenden Biographie analysiert sie die Ehe ihrer Großeltern, Käthes Kindheit und ihre Liebesbeziehungen. Marianne Krüll hat auch ihre Scheu überwunden und mit der Sexualität ihrer Eltern auch über ein Tabuthema geschrieben.

Sie bezeichnet sich selbst als ‚Muttertochter’, habe immer auf der Seite ihrer Mutter gestanden, auch wenn den Vater nur mit den Augen ihrer Mutter gesehen. Ehrlich spricht sie von ihren Anmaßungen gegenüber Käthe, wie es zum Zerwürfnis gekommen ist.

Doch Marianne Krüll hat sich mit sich selbst versöhnt. ‚Wenn du nicht so früh gestorben wärst, hätten wir einen Weg aus der Sackgasse gefunden.’

Nach ihrer Lesung empfanden viele Zuhörerinnen das Bedürfnis, ihr Verhältnis zur eigenen Mutter zu beleuchten. Es schloss sich schließlich einen engagierte Diskussion mit der Autorin an."

(stse)

« Pressestimmen zu "Käthe, meine Mutter"

« zur Übersicht der Pressestimmen