Pressestimme zu "Die Zauberhaft"

Aus: wolfsmutter.com vom 20.5.2006

"Schön sehen sie aus, die Bilder vom kleinen, zarten Mädchen - auch in den Illustrationen von Märchen. Und harmlos klingt sie und lullt uns ein - die Geschichte von der Prinzessin Tüvstarr und dem Elchbock Skutt.

Noch nie hatte ich bei der Lektüre eines Buches so sehr das Gefühl, dass bei seiner Entstehung gute, fremde Mächte mitgewirkt haben müssen. In diesem Büchlein werden nämlich Zusammenhänge aufgedeckt, auf die keine Schulweisheit je kommen würde und es werden hilfreiche, heilende und stärkende Auswege entworfen, auf die eine Menschenfrau, die in unserer verdrehten, patriarchalen Umwelt aufwuchs, ohne  E i n g e b u n g e n  (und ohne stützende Frauenwelten) doch nicht kommen kann?! Aber ich will nicht weiter rätseln, welchen Wesen wir neben der Autorin noch dankbar zu sein haben, will lieber berichten worum es geht.

Das Buch "Die Zauberhaft" ist klein wie eine Fibel, frau kann es in ihre Handtasche oder in den Rucksack packen und wenn sie es dann herausholt und anfängt zu lesen, so möchte ich wetten, wird sie es in einem Rutsch durchlesen. Sie wird in das Schicksal von Tüvstarr versinken, dem kleinen Mädchen, das wir selber sein könnten oder das uns zum Schutze anempfohlen wurde. Tüvstarr ist unbekümmert, neugierig, frei, aber leider schrecklich allein gelassen. Es hilft ihr gar nichts, dass sie aus königlichem Hause stammt. Sie ist auf sich selbst gestellt, kein Wunder, dass ein alter (Elch)Bock - im wahrsten Sinne des Wortes - es schafft, ihr Lust auf die weite Welt und auf  i h n , den Alleswisser und Alleskönner, zu machen. Sie darf auf ihm reiten! Mit dem zarten Wesen auf seinem Rücken macht sich der positiv (!) dargestellte Verführer schließlich davon. Der alte Elch/Mann fixiert sie während dieser Abenteuerreise auf sich, um sie am Ende elendig allein zu lassen. Tüvstar bekommt keinen Zugang mehr zu Wesenheiten oder Menschen, die es gut mit ihr meinen könnten, nicht zu ihrer Mutter und nicht zu anderen Helferinnen.

So weit das Kunstmärchen, das aus Skandinavien stammt.

Wenn wir ungewarnt und unaufmerksam dieses Märchen lesen, fühlt es sich eigentlich ganz liebevoll und zart an, eben märchenhaft: Natur, Tiere, Waldfeen, Königstöchterlein, alles wirkt bezaubernd. Wir vertrauen, weil wir es mit einem Märchen zu tun haben. Den Hinterhalt macht uns erst die Autorin klar: hier bedient sich ein Kunstmärchenerzähler des Zaubers, dem wir Märchen zuschreiben und jubelt uns dabei sexuelle Gewalt-Fantasien unter, als sei es etwas ganz Normales und Universelles. Das ist perfide!

Wenn wir schließlich, durch die Scharfsicht der Autorin gewarnt, lesen, spüren wir zwischen all den lieblichen, märchenhaften Sätzen wie dem Kind Gewalt geschieht.

Das macht traurig und endlich wütend!

Die Autorin entdeckte das Märchen, weil sie selbst Märchen liebt und weil das Bild auf dem Buchdeckel sie so sehr anrührte. Das Bild ist ein Gemälde von einem bekannten schwedischen Maler namens John Bauer, er malte dieses nackte, einsame, hilflose Kind, das am Ufer sitzt. Der Maler malt genau das, was der Erzähler lüstern ausgeführt hat. Maler und Erzähler arbeiten Hand in Hand - wie so oft! Das ist nämlich so üblich in unserer androzentrischen Kulturgeschichte. Männer breiten ihre Fantasien aus, spielen sie sich zu und bringen sie in die verschiedensten Kunstformen. (Wofür sie noch geehrt werden, manche von ihnen werden sogar als unsterblich hoch gehalten.) Sie bereiten damit den Boden für den Umgang im Alltag und für die Moral. Bewusst und unbewusst richten sich alle danach. Kinder und Frauen auch, dabei sind diese durch solch konzertiere Aktionen immer nur das Objekt. Und weil das alles wie ein großes gesellschaftliches Einverständnis wirkt und es immense suggestive Wirkung hat, traut sich auch kaum Eine, dagegen anzugehen. Verführungsgeschichten, die als Märchen daherkommen sind noch mal gefährlicher als all die, die wir bereits durch all die anderen Medien hinnehmen müssen.

Die Autorin zeigt diese Mechanismen hochsensibel und auf unseren Alltag gut übertragbar auf.

So machte mich beim Lesen dieser kleinen Fibel unter anderem ziemlich froh, dass die kluge, mutige Autorin (hierbei stärkte ihr sicherlich Diana den Rücken) sich den Maler stellvertretend für all die anderen Herren zur Brust nimmt. Der Mann hat nämlich nicht nur Tüvstarr porträtiert, sondern auch sich selbst. Dieses Selbstporträt betrachtet die Autorin nun eingehend, und Bravo, sie tut nicht das, was wir als Mädchen in der Schule mit Selbstporträts von berühmten Malern tun mussten, nein, sie erklärt ihm ihren eigenen, ihren ureigensten Standpunkt und geigt ihm richtig die Meinung: "John, woher kennst Du dieses Bild? Wie bist Du an diesen See gekommen? Woher kommt das Kind? Wer ist sie ? Du meinst, solche Fragen seien nicht erlaubt? Du bist nur Künstler? Wenn ich in deine Augen auf Deinem Selbstporträt schaue, weiß ich, dass ich dir nie trauen würde. Ich sehe in ihnen Verschlagenheit ..."

Ja, sie ist wehrhaft, die Autorin Dagmar, Tochter von Margot, zuerst legt sie uns eindringlich dar, wie wir es anstellen müssen, um auf der Hut zu sein in Sachen Verführung, Gewalt und Isolierung, und dann macht sie uns Vorschläge, wie wir sicherer, heiler und ganzheitlicher leben können. Das tut sie im zweiten Teil von "Die Zauberhaft": da erzählt sie verschiedene Varianten von Tüvstarrs Rettung durch Frauenzusammenhänge. In diesen Erzählvarianten endet Tüvstarr nicht eingefroren und erinnerungslos am Seeufer. Im Gegenteil: Tüvstarr werden echte, wilde Erlebnisse beschert, so spüren Diana und ihre Priesterinnen sie auf und nehmen sich ihrer an, ("Auf, auf! Worauf wartet ihr noch? Wir müssen sehen was in unseren Wäldern vorgeht. In meinen Gefilden soll keine Maid in Gefahr sein!"). Von Diana erfährt sie auch, welch Wirbelwind oder Vulkanausbruch Frauenliebe mit sich bringen mag. Und der Kuss einer Froschkönigin bringt sie in den Lebensfluss zurück. (... die Maid fühlt sich, als durchströme die Kraft reinsten Quellwassers, die Energie heißester Glut ihren erstarrten Körper. Wie mächtige, lustvolle Wellen steigt es auf aus der vergessenen Tiefe ihres Schoßes, wie Luftblasen zahlloser Fische streicht es entlang ihrer Wirbelsäule und über ihre Brüste ...) Sie schafft es, mit ihrer Mutter wieder ein Herz und eine Seele zu werden. Sie wird ihrer Mutter beim Regieren helfen. Schliesslich lernt und lehrt sie die Bedeutung der Heiligen Hochzeit. Tüvstarr geht es rund um gut.

Dagmar, es ist eine große Hilfe, dass Du so liebevoll, so aufbauend, so mitreißend erzählst! Wie fühlst Du Dich eigentlich, fühlst Du Dich frei  u n d  getragen? Du hast Helferinnen überirdische und irdische. Nicht wahr?! Und was ihr da zusammen Stärkendes und Freimachendes ausklügelt, das teilt ihr uns menschenfräundlicher Weise mit - jetzt, hier und in aller Zukunft!" (Uschi Madeisky)

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