Pressestimme zu "Klara Hitler"

Aus: innovative - Zeitschrift des Nordelbischen Frauenwerkes, Nov. 2006

Hitlers Mutter

"Will ich mich wirklich mit der Mutter dieses Mannes auseinandersetzen? – Dieser Frage konnte ich schwer ausweichen, als ich das Buch ‚Klara Hitler’ in die Hand nahm. Die Autorin beantwortet meine Frage schon auf den ersten Seiten dahingehend, dass es sich bei Klara Hitler um den ‚Prototyp einer Mutter’ – nicht nur – jener Epoche handelt. Die Eltern Hitlers stehen exemplarisch für eine ganze Hitlergeneration, 'die ihrerseits nicht nur gewisse Vorbedingungen hatte, sondern auch Folgen, die bis in die Gegenwart reichen und von denen wir auch betroffen sind.'

Eindrucksvoll beschreibt Christa Mulack die düsteren Familienverhältnisse Hitlers und schlägt von dort aus einen Bogen über die 'autoritäre Familie als Keimzelle des 3. Reichs' bis zum heutigen Mutter- und Familienbild. Dabei benennt sie als verhängnisvollen Bestandteil der patriarchal geprägten Familie die 'schwarze Pädagogik', die Eltern beibringt, das Böse aus ihrem Kind heraus zu prügeln – ein Erziehungsbild, das bis weit in das 20. Jahrhundert hinein Familien und Gesellschaft durchzog. Hier zeigt Christa Mulack auch die prägende Rolle der Kirche auf und schlussfolgert: 'So wurde väterliche Gewalt zum Gottesdienst.' In ihren Ausführungen führt die Autorin stringent die Familie Hitler als erklärendes Beispiel für Verstrickungen und Entwicklungen an.

Das Buch lässt sich trotz einiger Längen gut lesen. Hilfreich ist die klare Gliederung in fünf Kapitel, die die Thematik unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchten und sich auch einzeln noch einmal gut nachlesen lassen. Leicht enttäuscht muss sich allerdings die Leserin sehen, die tatsächlich an der Person Klara Hitler sehr interessiert ist. Dieses Buch ist keine Biographie, sondern ein hochinteressantes Sachbuch. Die ‚Mutter dieses Mannes’ selbst bleibt eine ferne Gestalt, eine von unzähligen Müttern in einer dunklen Zeit." (Julia Patzke, Diakonin, Beirat Ev. Frauenwerk Eutin)

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