Pressestimme zu "Die Frau ist Mit-Schöpferin"

Aus: Hebammeninfo, 2/07

"Das Gebären ein schöpferischer Akt mit einer spirituellen Dimension ist, ist vielen Hebammen ein vertrauter Gedanke. Hanna Stracks Verdienst ist es, diese elementare, im geburtshilflichen Alltag jedoch vernachlässigte Ebene, ins Zentrum zu rücken und den Dialog darüber in Theologie und Kirche einzufordern – ein notwendiges Buch in einer Zeit, in der Schwangerschaft und Geburt so radikal wie nie vom Diktat der Machbarkeit bestimmt werden!

In ihrem umfassenden und inspirierenden Werk beleuchtet die feministische Theologin durch die Jahrhunderte die spirituelle Dimension des Gebärens, das Verhältnis der Kirche zur Weiblichkeit und Fruchtbarkeit und die Beziehung zwischen Kirche und Hebamme. Und sie entwickelt eine Theorie der Geburt, die die schöpferische Kraft der Frau als gebärende in den Mittelpunkt stellt. Hierzu bedarf es eines dreifachen Perspektivenwechsels.

Während die herkömmliche Theologie die Sterblichkeit (Mortalität) des Menschen in den Mittelpunkt stellt und ein Negativbild der Frau und des Gebärens als Strafe zeichnete, ist Hanna Strack, die sich dabei auf die Philosophie von Hannah Arendt bezieht, das Geborenwerden (die Natalität) die existentielle Grundkategorie des Menschen. Der zweite Perspektivenwechsel betrifft das Bild der biblischen Eva – die androzentrische Deutung der Schöpfungsgeschichte, nach der das Weibliche unrein und verführerisch ist … Ihr gegenüber steht Hawwah, die Mutter alles Lebendigen. Die dritte Ebene betrifft die Kritik der medikalisierten Geburt, die die spirituelle Dimension des Geschehens ausgrenzt und Frauen von sich selbst entfremdet.

In ihrer Geschichte der sechs Phasen des Hebammenberufs beschreibt Hanna Strack den Übergang von der Geburtskultur zur Geburtsmedizin. Sie analysiert die soziale und spirituelle Rolle von Hebammen in früheren Kulturen und über Jahrhunderte in der rituellen Hilfs-, Not-, Trost- und Festgemeinschaft der Frauen. Immer wieder wird dabei die Verbindung zwischen Geburt und Religion transparent. Bei der Entwicklung ihrer Theologie der Geburt geht Hanna Strack von der Erfahrung von Hebammen aus. Interviews mit frei praktizierenden Hebammen, in deren Mittelpunkt die Frage nach dem "Besonderen" einer Geburt stand, sind die Basis ihres theologischen Ansatzes. Ohne dass die Befragten sich dessen bewusst waren, führten die Interviews zu Begriffen wie: Ergriffenheit, Seligkeit, Grenzerfahrung, Raum, Zeit, Schweigen. Geburt als dramatisches und komplexes Geschehen, in dessen Mittelpunkt der schöpferische Akt des neuen Lebens steht, ist deshalb in Hanna Stracks Theologie der Geburt eine Begegnung mit dem Heiligen. Sie meint damit nicht eine kirchlich gebundene Erfahrung, sondern das, was uns ergreift und zutiefst erschüttert, und nennt es ‚wilde Lebendigkeit’, die in vielen Bereichen der Lebenswelt erscheinen kann. Bei der Geburt sind es die Erfahrungen der Ergriffenheit vom Wunder des Lebens, von Wehenschmerzen, von Grenzen, die überschritten werden müssen, von Stille und zeit, von Krankheit und Tod.

Hanna Strack fordert, dass Frauen das Gebären als Schöpfungshandeln erfahren und durch angemessene Betreuung darin unterstützt und ermutigt werden. Als Aufgabe der Kirche sieht sie es, die ‚Todesbesessenheit’ zu überwinden und die Geburtserfahrungen der Frau in ihrer Praxis mit einzubeziehen. Deutlich wird, wie sehr die Kirche die Frauen alleine lässt und wie viel Potenzial sie verschenkt, indem sie die Frauen in ihrer schöpferischen Kraft nicht wertschätzt. Hanna Strack zeigt uns aber auch, dass Hebammen und feministische Theologinnen sich etwas zu sagen haben. Auch hier gibt es noch viele ungenutzte Potenziale.

Besonders in Zeiten von Pränataler Diagnostik, wo Angst und Unsicherheit das Schwangersein zunehmend bestimmen, wird offenbar, dass Schwangerschaft eine Ebene der Spiritualität braucht, um zu gelingen. Eine ‚Renaissance’ der spirituellen Bedeutung von Geburt als einem schöpferischen Akt könnte ein Gegengewicht zu Risikokalkulationen und Wunschsectio sein.

Im umfangreichen Anhang finden sich neben ausführlichen Anmerkungen und dem Literaturverzeichnis die Interviews mit den Hebammen, meditative Texte und Anregungen für Liturgien für Segensfeiern." (Dr. Angelica Ensel)

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