Pressestimme zu "Die symbolische Ordnung der Mutter"

Aus: Rhein Main Presse vom 3.3.2007

"Die erweiterte Neuausgabe des philosophischen Werkes von Luisa Muraro, ‚Die symbolische Ordnung der Mutter’, ist jüngst beim Rüsselsheimer Christel Göttert Verlag erschienen. Erstmals 1991 in Italien und zwei Jahre später in deutscher Übersetzung publiziert, ist das Hauptwerk der italienischen Philosophin … in der Neuauflage um ein Nachwort seitens der Autorin und um ein Interview erweitert, das die Journalistin Ida Dominijanni geführt hat.

Luisa Muraros Bestreben war es immer, Philosophie mit dem praktischen Leben zu verbinden. In ihrer Schrift geht sie von zwei Grundannahmen aus: Zum einen erhält die Tochter von der Mutter das Leben und die Sprache. Zum anderen entsteht die symbolische Ordnung weder durch Macht noch Gesetz, sondern durch Sprache. Die Autorin versucht, die Sinnhaftigkeit und Kraft der mütterlichen Autorität aufzuzeigen, und beleuchtet, die Wertigkeit der Mutter-Tochter-Beziehung vor dem Hintergrund ihrer Thesen.

In ihrem Argumentationsverlauf bedient sie sich einer ganzen Reihe von Philosophen aus unterschiedlichsten Epochen, um ihre Aussagen anschaulich zu untermauern. Ebenso lässt sie Sigmund Freud einfließen, um hinsichtlich der Hysterie Ausführungen über Mutterfixierungen und Mutterersatzfiguren anzustellen. Dennoch setzt Muraro die Mutter nicht an die Stelle des Vaters – er bekommt in diesem Buch gar keinen Platz eingeräumt und ist in verflüchtigtem Zustand geblieben.

In ihrem Buch behauptet Muraro, das Die-Mutter-lieben-können sei der Anfang für eine logische Ordnung, der ihr selbst ‚den authentischen Sinn des Seins gegeben’ habe. Die Erfahrung der Beziehung zur Mutter hinterlasse eine unauslöschliche Spur und damit ein Muster für künftige Erfahrungen und die Möglichkeit, ihnen eine logische Ordnung zu geben. Das Gesetz des Vaters hingegen trenne die Logik vom Sein ab, da er sich über die Positivität des mütterlichen Werkes lege.

Die Mutter, die ‚Schöpferin des Lebens’, sei gleichzeitig die ‚Schöpferin der Sprache’, führt die 1940 geborene Philosophin an. ‚Sprechen können, bedeutet im Wesentlichen die Fähigkeit, die Welt zur Welt zu bringen, und dies können wir nur in der Beziehung zur Mutter, nicht getrennt von ihr’, argumentiert sie. Dass die Sprache eine nicht zu leugnenden Beziehung zur Mutter hat, sieht sie schon in der Bezeichnung ‚Muttersprache’ begründet. Und der normative Charakter der Sprache wirke nicht wie ein Gesetz, sondern wie eine lebendige Ordnung.

Allerdings lehnt Muraro es ab, ihr Buch als ein Dokument über die entstehende vaterlose Gesellschaft anzusehen. ‚Die symbolische Ordnung der Mutter’, so die Autorin in ihrem Nachwort, sei zu lesen und nicht zu interpretieren. Sie verweist auf zwei Schichten, die ähnlich wie bei einem alten Pergament übereinander gelagert seien: Die untere sei die ‚Geschichte einer leidenschaftlichen Bindung an eine in ihrem Inneren verletzte Mutter’. Die darüber geschriebene Geschichte sei jene der Frauenbewegung." (Nina Finkernagel)

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