Pressestimme zu "Als alle Menschen Schwestern waren, Bd. 1"

Aus: wolfsmutter.com vom 5.06.2007

"Nur wenn wir wissen, dass es bessere Strukturen und Lebensweisen gab und dass sie auch heute noch bei einigen Völkern existieren, sind wir in der Lage, die unseren zu ändern und nicht einfach hinzunehmen. Irene Fleiss' Buch bietet Einblick in Matriarchate.

 

Im Winter 2004/2005 schickte Irene Fleiss aus Wien mir als Vorsitzender der Gerda-Weiler-Stiftung eine Anfrage mit Manuskriptmaterial, ob ich mir vorstellen könnte, dass ihre Ausführungen zu dem Thema Matriarchate der Vergangenheit und Gegenwart den Förderungskriterien der Stiftung entsprächen. Ich las und las und war von der ersten Zeile fasziniert, sowohl von der Fülle der verarbeiteten Forschungsliteratur als auch von dem Stil der Autorin, diese Fülle zu sortieren und ohne Aufdringlichkeit zu kommentieren, nach dem Motto der Philosophin Annegret Stopczyk "Denke selber und nicht nur nach...". Daraus entstand eine Novität auf dem deutschsprachigen Buchmarkt, vermutlich auf dem weltweiten Buchmarkt, die ich gut ein Jahr später im Vorwort der 1. Auflage "Ein Schatz der Menschheitsgeschichte" nannte. Und natürlich entsprach diese Arbeit in allen Punkten den Förderungskriterien unserer Stiftung für feministische Frauenforschung.


Aus meiner Begeisterung heraus - die bis heute ungeschmälert anhält - bot ich Irene Fleiss an, ihr Manuskript gegenzulesen und auch mit ihr zu diskutieren wie ich es zwölf Jahre zuvor mit Gerda Weilers feministischer Anthropologie "Eros ist stärker als Gewalt" und "Der aufrechte Gang der Menschenfrau" tun durfte. Der schriftliche Dialog mit Irene Fleiss zu ihrem Werk gestaltete sich trotz der vielen Arbeit für beide ungemein anreichernd, getragen von einer gegenseitigen Wertschätzung. Sehr schnell erkannte ich, dass dieses kompakte Werk nach einem Stichwortverzeichnis verlangte, um auch wie ein Lexikon genutzt werden zu können. Eine zusätzliche Arbeit für die Autorin, die sie schließlich mit Zuspruch der Verlegerin Christel Göttert in ihrer präzisen Art mit Blick aufs Wichtige und Wesentliche in die Tat umsetzte.


Ein wenig unwohl ist und war mir der Titel "Als alle Menschen Schwestern waren". Ganz klar ist die Provokation gegen den mann-zentrierten Ausspruch "Alle Menschen werden Brüder" zu erkennen, der in der Ode an die Freude europaweit erschallt. Würden Frauen - Männer erst recht - sich nicht durch den Titel vom Kauf des Buches abschrecken lassen? Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis müsste genügen, um die Neugier auf Lebensformen zu wecken, die das Zusammenleben der Geschlechter friedlich gestalten, Aggressionen nicht zur Zerstörung sondern zur Gestaltung nutzen, Entscheidungen gemeinsam treffen, sozial gerecht wirtschaften und die Sexualität mit respektvoller Leidenschaft erleben dürfen. Alles nur Märchen? Utopien verbohrter Feministinnen?


Die Faktenlage spricht für sich. Es gab diese Konsens-Gesellschaften und gibt sie - außer in Europa - heute noch weltweit, auch wenn sie stark durch Missionierung und Globalisierung gefährdet sind. Davon wird ganz ausführlich der zweite Band des Werks berichten, der demnächst erscheint. Der erste Band bietet das Wissensfundament, um uns den Zugang dieser herrschaftsfreien Gesellschaften zu erleichtern. Schnell erkennen wir, dass das Wort "Matriarchat" kein seitenverkehrtes "Patriarchat" bedeutet, da es Frauenherrschaft mit Gewaltausübung nie gegeben hat, aber sehr wohl Gesellschaften, die zu würdigen wissen, dass jeder Mensch von einer Frau geboren wurde. Matriarchat heißt somit "Am Anfang die Mutter". Aus dieser sichtbaren Erkenntnis heraus war und ist es möglich, dass alle Menschen sich als gleichwertige Geschwister fühlen und danach handeln. Kaum zu glauben? Dann greift zu diesem Werk, und "werft die Scheuklappen/Geistesbandagen an. Greift nach den Sternen" (Mary Daly, zitiert bei Irene Fleiss). Nachfragen und Diskussionen sind erwünscht." (Gudrun Nositschka)

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