Pressestimme zu "Als alle Menschen Schwestern waren, Bd. 2"

Aus: Mathilde, Nov./Dez. 07

Die Kraft des Weiblichen

 

"In ihrem zweiten Buch widmet sich Irene Fleiss dem Thema Weiblichkeit in matriarchalen Gesellschaften. Sie hat aus zahlreichen Quellen vielfältige Informationen und interessante Forschungsergebnisse zusammen getragen.

Die wichtige Botschaft aus ihrem Buch ist, dass matriarchales Leben keine Utopie, sondern gelebte Wirklichkeit ist. Die Strukturen von Matriarchaten sind auch heute noch bei mehreren Millionen Menschen auf der Erde lebendig. Die Autorin befasst sich mit mehr als zwanzig verschiedenen Volksstämmen in Asien, Amerika und Afrika, in denen die Werte dieser alten Frauenkultur noch in unterschiedlich starken Ausprägungen zur Entfaltung kommen.

Fleiss beschreibt die Minangkabau auf Sumatra mit insgesamt etwas drei Millionen Menschen als das größte bekannte matriarchale Volk, das gleichzeitig dem Islam angehört. In den größeren Städten Sumatras und Indonesiens sind sie in Handel, Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Kultur tätig und gelten als ein Volk von hoher Bildung und Weltoffenheit. Kooperation untereinander und Fürsorge, besonders für Mütter und Kinder, sind von zentraler Bedeutung in der Gesellschaftsphilosophie dieses Volkes. Wettbewerb, das Recht des Stärkeren und die Ausbeutung der erde gehören nicht zu seinen Zielen. Gewalt gegen Frauen und Kinder liegt diesen Menschen nach Kenntnis von Irene Fleiss so fern, dass sie für Vergewaltigung in ihrer Sprache gar kein Wort haben.

Auch in der mexikanischen Stadt Juchitán (circa 80.000 Menschen) haben Frauen, wie die Autorin ausführt, bis heute eine starke Position bewahrt. Obwohl das gesellschaftliche Leben von patriarchalen Ebenen durchzogen ist, sind Handel und Wirtschaft in Frauenhand. Es gibt keine isolierten, abhängigen Hausfrauen. Es gibt auch kaum Lohnarbeit. Die Ökonomie beruht auf Gegenseitigkeit und Austausch, die Menschen gehen anders mit Geld um als in der kapitalistischen Marktwirtschaft. Im Gegensatz zum Umland finden sich keine in tiefer Armut lebenden Menschen und es wird auch kein immenser Reichtum angesammelt. Die Gegend wird als auffallend wohlhabend beschrieben.

Die Autorin zeigt, dass matriarchale Frauenmacht unmittelbar verknüpft ist mit der Gewissheit, dass Weiblichkeit das Abbild des Göttlichen ist. Die Große Göttin wird als Schöpferin der Welt und Mutter alles Lebendigen verehrt, die Erde gilt als göttlich. Sie schildert diese Frauenkultur als einen Ort, wo die Fähigkeit des Gebärens als Schöpfungskraft und Potenz der Frau respektiert wird. Eine Frau muss jedoch nicht unbedingt selbst Kinder auf die Welt bringen, da sie auf jeden Fall auch als Mutter der Kinder ihrer Schwester(n) gilt. Fleiss macht deutlich, dass die Stärke der Frauen sich ganz selbstverständlich auch in der Sexualität zeigt. Frauen besitzen die volle Selbstbestimmung über ihren Körper. Sie wählen ihren Partner, das geht aus vielen Traditionen und Bräuchen hervor, die Irene Fleiss in ihrem Buch aufzählt und die sich auch in patriarchalisierten Gesellschaften zum teil lange hielten. Sexualität gilt als Quelle von kraft und Spiritualität. Der Umgang mit Sexualität ist frei und offen.

Die Autorin beschreibt weibliches Leben in den einzelnen Entwicklungsphasen. Rituale und Feiern helfen den Menschen in neue Lebensabschnitte. Die Menarche, die erste Blutung, wird zum Teil auch heute noch als Einführung eines Mädchens in den zukünftigen Status einer Frau mit einem großen Fest gefeiert. Fleiss macht klar, dass auf Grund des bereits in frühen Zeiten bekannten Wissens um Mittel zur Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbruch jede fortgeführte Schwangerschaft eine bewusste Entscheidung war. Alte Frauen gelten als weise und werden für ihre Lebenserfahrung geehrt.

Am Schluss ihres interessanten Buches weist Irene Fleiss darauf hin, wie viel wir von matriarchalen Völkern lernen können, die es mit ihren Werten offensichtlich so viel besser verstehen, für Frieden und das Wohlergehen von Menschen zu sorgen." (B.O.)

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