Pressestimme zu "Starke Mütter verändern die Welt"

Aus: Main-Spitze vom 2.11.2007

Eine friedliche Revolution von unten

Autorin Kirsten Armbruster tritt für eine Gesellschaft ein, deren sakrale Mitte die Mutter bildet

Ist Gebärstreik eine Möglichkeit, um die weltweite wirtschaftliche Profitmaximierung zu stoppen und statt dessen wieder im Einklang mit der Natur zu leben? Kirsten Armbruster zieht in ihren Buch "Starke Mütter verändern die Welt" diese Überlegung zumindest theoretisch in Betracht, um die Frauen in der männerdominierten Gesellschaft an ihre Macht zu erinnern. Bis vor etwa 5 000 Jahren habe "das Goldene Zeitalter des Matriarchats" geherrscht, während danach das "schwarze, eiserne Zeitalter des Patriarchats" die Führung übernommen habe.

Damit habe, so führt Kirsten Armbruster weiter aus, die Barbarei Einzug gehalten: Massenmord durch Krieg, Sklavenhaltung, Ausbeutung der Ressourcen der Erde. Um ihren zerstörerischen Herrscherstatus auch von sakraler Seite sanktionieren zu lassen, sei die "Manngottschöpfungslüge" aufgekommen. Damit hätten die Männer abgelehnt, dass am Beginn der Schöpfungsgeschichte in Wirklichkeit eine Göttin gestanden hatte, wie noch heute aus archäologischen Ausgrabungen, Märchen und Mythologien hervorgehe.

In der Neuerscheinung des Rüsselsheimer Christel-Göttert-Verlages beschäftigt sich die Autorin, selbst vierfache Mutter, mit dem diskriminierten Status der Frau seit der Antike. Ihre Analyse fällt nach eigener Aussage nicht sachlich und wissenschaftlich aus, sondern emotional und polemisch.

Erschütternd sind vor allem die Fakten rund um Globalisierung und Industrialisierung. "Mathematisch gesehen ist unbegrenztes Wachstum ein Artefakt", beschreibt Armbruster die Irrationalität, mit Monopolstellungen die heutige Sucht nach Prosperität auszuleben.

Wirtschaft habe einst das Matriarchat nicht um seiner selbst willen betrieben, sondern sie sei in den Kreislauf des Lebens integriert gewesen, habe sich am Gleichgewicht zwischen Hunger und Sättigung orientiert. Heute versuche die Wirtschaft ihren Kunden zu vermitteln, ein Sättigungsprozess im Konsumverlangen trete nie ein. Zudem bereicherten sich an exponentiellem Wachstum wenige Menschen auf Kosten der Mehrheit.

Sehr ausführlich widmet sich die 1956 geborene Autorin in ihrem Buch den Mythologien der Schöpfungsgöttinnen, denn archaisch gesehen sei Religion überall weiblich gewesen, einen männlichen Gott habe es nicht gegeben – egal, in welchem Kulturkreis.

Die Agrarwissenschaftlerin Armbruster wünscht sich einen Bewusstseinswandel der Mütter, eine friedliche Revolution von unten. Ihr Ziel ist die matriviviale Gesellschaft, die dem Leben verpflichtet ist und deren sakrale Mitte die Mutter bildet. Detaillierte Vorschläge zur Organisation dieser neuen Welt unterbreitet sie in ihrem Buch.

Eine komplette Weltenrevolution zu erreichen, ist mit Sicherheit nicht durchführbar und wird eine Utopie bleiben. Doch Armbrusters Überlegungen sind mehr als Denkanstöße, das eigene Konsumverhalten und Wertevorstellungen in Frage zu stellen, um sie neu zu definieren. (Nina Finkernagel)

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