Pressestimme zu "Sinn - Grundlage von Politik"

Aus: Rundbrief 2007 – IAPh (Internationale Assoziation von Philosophinnen)

Zehn feministische Denkerinnen aus dem deutschsprachigen Raum haben sich mehrmals an verschiedenen Orten getroffen, um gemeinsam über Politik nachzudenken. Das Ergebnis ist mit dem Text des vorliegenden Bandes eine gemeinschaftliche Produktion aller Autorinnen. Politik soll auf neue und zugleich alte Weise gedacht, der Zwang sich vorgegebenen Definitionen zu unterwerfen, vermieden werden. Indem die Autorinnen Politik in Beziehung zu Liebe und nicht zu Macht setzen, wird eine wahrhafte Pluralität des Politischen möglich; der Fokus des Nachdenkens liegt auf dem Begriff des Sinns, der zu Anfang in Anlehnung an Hannah Arendt und Simone de Beauvoir konzipiert wird. Gerade dieser Begriff "Sinn" lässt auch in aller Schärfe einen bestimmten Zeitpunkt feministischen Handelns, nämlich die Gegenwart, erfassen, in der ein ebenso bedauerlicher wie verständlicher Rückzug oder gar Rückschritt bewegter Frauen aus den Institutionen und der Macht zu beobachten ist. Sobald jedoch die Fixierung auf den Begriff "Macht" aufhört, lassen sich konventionelle Entgegensetzungen erkennen und überwinden und damit scheinen zugleich neue Lösungsmöglichkeiten auf. Das Wort "Sinn" meint einen Prozess des Hin- und Hergehens, der jeweils nur intersubjektiv möglich ist. So ergibt sich ein neuer Blick und mit diesem ergeben sich auch neue Stellungnahmen, etwa zur Politik der Europäischen Union. Ein Beispiel für die vielen erstaunlichen Gedankenwendungen sei mit dem Begriff der "Wirtin" genannt. Diese, mit ihrem Haus, dem Wirtshaus, an der Schwelle von Öffentlichem und Privatem situiert, könne eine neues Licht auf die Unterscheidung zwischen öffentlich/privat werden, dem Dilemma Hausfrau oder Managerin neue Dimensionen abgewinnen und zu neuen Lösungsmöglichkeiten inspirieren, so die Autorinnen. Auch wenn sich das Buch nicht nur an akademische Leserinnen wendet, so beschreibt es doch auch deren Lage in der Institution, und es könnte als Inspiration für akademische Arbeiten in diesem Feld dienen. Das Experiment eines gemeinsamen Texts ist bei allen erkennbaren Schwierigkeiten des Stils oder etwa der Problematik, wie konsensfähige Formulierungen zu finden sind, gelungen und für einen Text dieser Kürze fraglos gut geeignet. Dennoch hat es auch einen besonderen Reiz, wenn in der einen oder anderen Passage eine eigenwilligere Handschrift erkennbar wird wie beispielsweise im Abschnitt "An die Freundinnen in/der Frauenbewegung!" Das Ende mündet dann geradezu hymnisch, aber durchaus nicht unrealistisch, in die Beschwörung einer Tänzerin, die die Bewegtheit im politischen Raum versinnbildlichen soll. (Bettina Schmitz)

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