Pressestimme zu "Die Menge im Herzen"

Aus: Schlangenbrut, November 2001

"Die Taliban und die Frauen, Feminismus in lateinamerikanischen Diktaturen und in Osteuropa, die politischen Verstrickungen der Weltmacht USA, Gewalt, Prostitution, Pädophilie, Ausländerfeindlichkeit und Lady Di oder aber der christliche Brauch, mit Gott in einen Handel einzutreten: All das, wovon die Zeitungen tagtäglich berichten und was unsere Kultur grundlegend beeinflusst, kommentiert die italienische Philosophin Luisa Muraro seit Jahren in Artikeln und Reden, die in wichtigen italienischen Zeitungen veröffentlicht wurden. Die italienische Journalistin Natalie Aspesi hat einige dieser Beiträge in dem vorliegenden Band herausgegeben.

Muraros Texte charakterisiert das Anliegen, die Tatsachen zu bewahren, sie vor vorgefertigten Interpretationen zu schützen und ihre historische Wahrheit herauszufiltern. Es geht ihr darum, die politische Bedeutung ebenso wie die moralische Beurteilung eines Ereignisses aus seinem Inneren heraus zu verstehen.

In den Skandalchroniken der Zeitungen findet Muraro nun die Stimme der einfachen Menschen, die kaum mehr Politikern, aber nach wie vor an eine Ordnung der Liebe glauben, ebenso die Fähigkeit, sich Leid durch Ohnmacht und Mitfühlen zu stellen. Ihre Gedanken folgen dabei immer wieder der Fragestellung, wie sich die weibliche Freiheit in der Geschichte artikuliert und welche Bedeutung der mütterlichen Ordnung zukommt.

Muraro betrachtet die ganze Welt und diese ganze Welt so, wie sie ist. Dem Erschrecken vor den Ereignissen und der Ohnmacht gegenüber der Welt steht somit immer wieder die Kraft der Erkenntnis gegenüber, dass es oft so oder ähnlich ist, wie Muraro sagt. Es ist das weibliche Urteil, das hier Mut macht, und Muraro verfügt über eine ausgezeichnete Urteilskraft."

(Andrea Günter)

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