Pressestimme zu "Was Philosophinnen über die Göttin denken"

Aus: AEP Informationen, Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft, Nr. 2/2008

Die scharfsichtige Kritikerin des Patriarchats Heide Göttner-Abendroth tritt in den Diskurs über die Göttin und den Göttinnenbegriff mit der Fachfrau für feministische Philosophie Marit Rullmann und der Begründerin der Leibphilosophie aus weiblicher Sicht, Annegret Stopczyk-Pfundstein. Die Besonderheit dieses Buches ist, dass ein kritisches Thema, bei dem oft Widerspruch und Unverständnis auftritt, von den unterschiedlich geprägten Frauen per E-Mail diskutiert und ihre Argumentationen in diesem Buch veröffentlicht wurden.

Annegret Stopczyk schreibt über leibphilosophische Einsichten. Sie definiert diese als einen Bewusstseinszustand, in den sie sich selbst versetzen kann, mit Hilfe einer Anzapfung ihrer eigenen Energie. In diesem Zustand erhält sie Vorahnungen oder Eingebungen, welche ihr Wissen bereichern. Das Wort "Sophia" beschreibt diese eigenleibliche Spürerfahrung, die ein Weisheitszustand hervorrufen kann. Für Annegret Stopczyk kann die "Sophia" eine engelhafte Erscheinung sein, aber sie beharrt darauf, dass dies nichts mit einer Göttin zu tun habe. Marit Rullmann befasst sich mit weiblichen Gottheiten und Philosophinnen von der Antike bis zur Moderne. Sie pflegt einen weitsichtigen Blick auf die Tilgung von weiblichen Gottheiten durch die gewalttätigen Übergriffe des Patriarchats. In ihren Ausführungen beruft sie sich mehrfach auf Gerda Weiler, die neben Heide Göttner-Abendroth eine der bedeutendsten Matriarchatsforscherinnen in Deutschland ist. Ebenfalls zieht sie Luce Irigaray, die eine französische feministische Psychoanalytikerin ist, für die Untermauerung ihrer Argumente hinzu. Für Marit Rullmann gibt es zwar keine Göttin, aber etwas Transzendentes, das sie sich selbst nicht erklären kann. Heide Göttner-Abendroth, welche eine matriarchale Sicht pflegt, erläutert die Bedeutung der Göttinnen in verschiedenen Kulturen anhand von praktischen Beispielen von lebenden oder in Vergessenheit geratenen Matriarchaten, die über die ganze Welt verstreut sind und welche sie vor Ort erforschte. Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen verwendet sie die Begrifflichkeit der Göttin bewusst und schließt in ihren Ausführungen eine Schilderung des "Muttermordes", d. h. die gewaltsame Ersetzung der weiblichen Gottheit durch eine männliche, mit ein.

Wir erfahren bei der Lektüre einiges darüber, dass in der Antike der Göttinnenglaube noch weit verbreitet war, dieser jedoch nach und nach verschwand – die beiden Philosophinnen Rullmann und Stopczyk forschten sehr intensiv darüber und stellen fest, dass in den meisten Mythologien beispielsweise (bei den Griechen die ratgebende Göttin Metis von Zeus verschlungen wurde, um später Athena aus dem Kopf zu gebären) die weibliche Göttin oft schon nur eine Nebenrolle neben der männlichen Gottheit spielt. Die katholische Kirche bekämpfte schließlich den Göttinnenglaube restriktiv: Wer verdächtigt wurde einen solchen zu praktizieren, wurde als Hexe oder Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In matriarchalen Gesellschaften wird der Begriff der Göttin nicht gebraucht. Sie kennen ihn noch nicht einmal, und zwar weder in der langen matriarchalen Vergangenheit noch bei den letzten matriarchalen Gesellschaften der Gegenwart. Auch in der matriarchalen Vergangenheit Europas kennen wir noch die Begrifflichkeiten wie Z.B. "Frau Holle", "Frau Venus", "Frau Welt", "Fee Morgane", "die Dame vom See" und viele andere. So ist laut Heide Göttner-Abendroth die patriarchale Gottesvorstellung eine sehr abstrakte, in der von einem unsichtbaren Gott, der als reiner Geist im Gegensatz zur Welt als bloßer Materie steht, gesprochen wird. In der matriarchalen Auffassung dagegen ist die Göttin sichtbar, sie ist in allem im Universum über unseren Köpfen, das sich fortwährend gebiert und die mütterliche Erde ist, die fortwährend das Leben hervorbringt und nährt.

Durch diese sehr unterschiedlichen Weltanschauungen entsteht eine sehr spannende Diskussion zwischen den verschiedenen Frauen. Die Essenz ist, dass die patriarchale Gottesvorstellung, die sich in der Gesellschaftsordnung spiegelt, die Sicht auf abstrakte Glaubensvorstellungen verstellt. Die matriarchale Sicht auf die Göttin ermöglicht eine andere Perspektive auf die Thematik und die Gesellschaft. In einem Punkt sind sich die Autorinnen einig: Das Thema Religion ist ein sehr ambivalentes und muss kritisch betrachtet werden! (Gaby Hagleitner)

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