Pressestimme zu "Klara Hitler"

Aus: Rüsselsheimer Echo vom 5.1.2006

Mütter gewalttätiger Söhne

 

Neuerscheinung im Christel Göttert Verlag beleuchtet Adolf Hitlers Mutter Klara. Autorin Christa Mulack sieht in patriarchaler Unterdrückung eine Ursache für Brutalität

Ein interessantes und gleichsam äußerst sensibles Thema behandelt die Pädagogin und freie Schriftstellerin Christa Mulack in ihrem Buch: "Klara Hitler ‑ Muttersein im Patriarchat", das jetzt im Rüsselsheimer Christel Göttert Verlag erschienen ist. Klara Hitler, die Mutter Adolf Hitlers, steht hier für "die Mütter einer ganzen Epoche, die weit in die Gegenwart hinein reicht."

Gleich zu Beginn äußert Christa Mulack Kritik am Geschichtsunterricht, der sich auf eine Aneinanderreihung von Siegen und Niederlagen von Männern reduziert und Frauen und Kinder völlig ausblendet. Sie stellt die Frage: Welche Rolle spielte das familiäre Umfeld und insbesondere Hitlers Mutter für seinen Werdegang, der ihn zum "Monster" werden ließ?

Es gelte, die eigentlichen Ursachen von Gewalt zu erkennen: "Wenn die Quellen der Gewalt nicht gestopft werden, ist uns der nächste Holocaust gewiss", resümiert Mulack. Die so genannte schwarze Pädagogik prägte das 19. und weite Teile des 20. Jahrhunderts. Aus den Opfern der patriarchalen Familie, für die Gehorsam, Unterwürfigkeit und Züchtigung zum Alltag gehörten, rekrutierten sich die Massen, die Adolf Hitler zujubelten.

Die Rolle der Mutter ist innerhalb der patriarchalen Familie untergeordnet. Klara Hitler steht als Beispiel, und "das Dritte Reich bildete die sichtbare Spitze eines Eisberges in der Geschichte des patriarchalen Männlichkeitswahns." Bestätigung erfuhren nur Frauen, deren Lebenssinn im Gebären und als gehorsame Hausfrau festgelegt war. Männliche Gewalt und Züchtigung war nicht nur in der Familie Hitler an der Tagesordnung.

Klara Pölzl heiratete den 23 Jahre älteren Ziehsohn ihres Großvaters, nachdem sie seinen Haushalt geführt und seine zweite Ehefrau bis zu deren Tod gepflegt hatte. Noch zu Lebzeiten dieser Ehefrau wurde die damals 16-jährige Klara von Alois schwanger. Adolf war ihr viertes Kind. Die älteren und jüngeren Geschwister starben früh. Einzig Adolf und seine Schwester Paula erreichten das Erwachsenenalter.

Biografien berichten, dass' Klara ihren Sohn Adolf geradezu abgöttisch geliebt und ihn verhätschelt haben soll. Dies vermutlich, um die Härte des prügelnden und häufig betrunkenen Vaters abzumildern. Auch nach dem Tod des Gatten verblieb sie in der dem Mann dienenden Rolle, denn nun war es der Sohn, der sie tyrannisierte.

Christa Mulack schildert das Leben Klara Hitlers als voller Gewalt und Entbehrungen, Selbstbeschuldigungen und Machtlosigkeit. "So wird an Klara Hitler deutlich, wie wenig selbst die größten Leistungen und Opfer einer Mutter in unserer Gesellschaft bemerkt und anerkannt werden, wenn der Vater ihre mütterliche Fürsorge nicht ergänzt."

Ein zentraler Punkt des Buches beschäftigt sich mit der Perspektive der Mutter, und Kapitel wie "Ehe als Gewaltverhältnis" oder "Die Behinderung mütterlicher Fürsorge" befassen sich mit der Ohnmacht der Frauen in der patriarchalen Familie.

Im letzten Teil ihrer Analyse wirft die Autorin einen kritischen Blick auf die Gegenwart und kommt zu dem Schluss, dass auch heute noch die Rollen, die Müttern zugedacht werden, Formen von sozialer Ausgrenzung gleichkommen. Dies untermauert sie mit Beispielen wie mangelhafte Rentenzahlungen für Mütter, zunehmende Mütterarmut, Bereicherung der Gesellschaft aus unentgeltlichen Arbeitsleistungen von Frauen sowie ihre Vereinsamung im Alter." (Susanne Rapp)

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