Pressestimme zu "Anna im Goldenen Tor"

Aus: FAMA, feministisch-theologische Zeitschrift, Aug. 08

"Das 1990 erstmals erschienene Buch von Erika Wisselinck, von Kennerinnen mit Sehnsucht erwartet, ist neu herausgekommen. Wir befinden uns im September des Jahres 29 unserer Zeitrechnung und werden hineingezogen in die Erinnerungen von Anna, wie sie in der warmen Abendsonne im Hinterhof ihres Häuschens sitzt. Die Leserin begleitet die alte Anna ein Jahr lang. Ihr fortschreitendes Altern und die Erlebnisse des laufenden Jahres werden durchbrochen von Rückblicken einer im Wesentlichen quälenden Vergangenheit, die geprägt ist vom schwierigen Verhältnis der Mutter Anna zu ihrer Tochter Mirjam. Ein spannender historischer Roman gestützt auf die Legende der heiligen Anna liegt vor uns; immer historisch korrekt – gemäss Wisselincks Motto: ‚Es hätte wirklich so gewesen sein können.’

Ich habe dieses Buch von hinten zu lesen begonnen, bei der ursprünglichen Legende und den Notizen zur Entstehung des letzten Buches und einzigen Romans der 2001 74-jährig verstorbenen Erika Wisselinck. Die Neuausgabe ist bereichert mit einem Nachwort von Gabriele Meixner, das Aufschlussreiches über die interessante feministische Philosophin, Journalistin, Schriftstellerin und Übersetzerin und ihre Gedanken, gerade auch zur Situation des Feminismus zur Jahrtausendwende bietet. Nicht zuletzt dank dieser Einführung habe ich das Buch mit Gewinn und in einem Zug gelesen. Immer wieder musste ich über die mutigen und kühnen, aber eben doch nicht völlig unwahrscheinlichen Neuinterpretationen und Umdeutungen schmunzeln. Die konsequent ‚frauenengagierte’ Sichtweise hat mich beeindruckt. 1993 schrieb Lisa Weil, Chefredakteurin der US-amerikanischen feministischen Literaturzeitschrift Trivia: ‚Das ist eines der subversivsten Bücher, das ich je gelesen habe! Vergleichbar mit Mary Daly. Aber wie ein Wolf im Schafspelz wird es an Orte kommen, die Mary Daly nie erreichen würde. In diesem Sinne ein wahres trojanisches Pferd in Buchform.’" (Simone Rudiger)

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