Pressestimme zu "Die gute Mär"

Aus: Mathilde, Jan./Feb. 2009

Geheime Botschaften im Märchen

In Buchhandlungen stehen Märchenbücher in der Kinderabteilung, Märchen werden im Lexikon als "erfundene Geschichten"bezeichnet. Folgen wir Dagmar Margotsdotter-Fricke auf der Suche nach dem ursprünglichen Wort "Mär", so war das einmal eine Geschichte, eine Erzählung oder sogar eine Verkündigung.

Auf einer Reise zurück in vergangene Zeiten macht uns die Autorin wieder vertraut mit versunkenem, altem Frauenwissen. In einer Art Geheimsprache ist dieses Wissen noch enthalten in Märchen, das Dagmar Margotsdotter-Fricke meisterinnenhaft entschlüsselt. So gewinnen Märchen wie Hans im Glück, die drei Raben, die Gänsemagd oder Hänsel und Gretel eine ganz neue Bedeutung. Widerstand gegen die Durchsetzung der christlichen Ideologie spricht aus ihnen. Sie warnen vor den Folgen, die das neue kranke Gesellschaftssystem nach sich ziehen wird, sie thematisieren die matriarchale Mutter-Tochter und Schwester-Bruder Beziehung oder sie sprechen von der Initiation junger Menschen, zu denen wir kulturell keinen Zugang mehr haben. Diese Mären kommen aus einem Zeitalter, als die Menschen noch im Schutz einer mütterlichen Ordnung und im Einklang mit Mutter Erde heranwuchsen, einem Gesellschaftssystem, das durch die Matriarchatsforschung der letzten Jahrzehnte eindrucksvoll nachgewiesen worden ist.

Eine besondere Bedeutung gewinnt dieses Buch durch das etymologische Wissen von Dagmar Margotsdotter-Fricke. Sie zeigt erstaunliche Wortstämme und Wortzusammenhänge auf, die zum großen Teil vollkommen aus unserem Bewusstsein verschwunden sind, mit denen aber altes Wissen wieder zugänglich gemacht werden kann.

Ob es um Steine und Höhlen geht, um Wasser, um den legendären Weitenbaum, um Spiritualität oder um andere inhaltliche Komponenten der Märe, die Autorin macht uns mit überraschenden Inhalten vertraut.

Sie ist aber nicht nur eine Wortforscherin, sondern auch eine kreative Worterfinderin. Kurzerhand hat sie das Wort Patriarchat durch den Ausdruck "Patriarchose" ersetzt, weil damit das Kranke, das Wahnhafte unseres Systems so viel besser zum Ausdruck komme. "Wir leben nicht im Patriarchat, sondern wir haben Patriarchose." Und als tröstliche Botschaft: "eine Krankheit kann auch wieder vergehen und nicht jede ist tödlich". (B.O.)

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