Pressestimme zu "Zukunft der Frauenbewegung"

Aus: www.maedchenmannschaft.net, Feministische Bibliothek, 8.3.09

Um die "Zukunft der Frauenbewegung" geht es der 1964 geborenen Journalistin und Politologin Antje Schrupp in ihrem gleichnamigen Buch von 2004. Vor der Zukunft steht die Gegenwart, und so beantwortet Schrupp erst mal die Frage: "Wo stehen wir heute?". Das Patriarchat, jene "schlechte" Ordnung, die die Dinge regelte, sei heute zerfallen. Es herrsche nun eine Unordnung, nach dem "Verlust der väterlichen Autorität" der "Väter, Chefs, Vorgesetzten" ist nun die "Macht der Brüder" an oberster Stelle. Hier bezieht sich Schrupp auf die Italienerin Chiara Zamboni aus der Philosophinnen-Gemeinschaft Diotima und erklärt anhand deren Schrift "Das Patriarchat ist zu Ende":

"Die Brüder … halten nicht mehr das Ideal der Hierarchien hoch, sondern das der Gleichheit … die Brüder, die ‘zerstritten, aggressiv, gewalttätig sind und zugleich schwach und narzisstisch" … müssen sich auf andere Weise [als die Figur des Vaters, die Autorität und Macht verband] in den Vordergrund spielen, und sie tun das auf der Bühne der Öffentlichkeit."

Eben diese Bühne ist nun auch für Frauen zugänglich: in der Politik, in den Medien, im Berufsleben. Doch die dort herrschenden Regeln sind die der Brüder.

Vielleicht liegt hier eine Erklärung für die Tatsache, dass trotz AGG und der Bereitschaft von privatwirt-schaftlichen Unternehmen, Frauen nun doch in die Führungsetagen zu lassen (auf dem Frauenpolitischen Forum der Grünen in Stuttgart vor ein paar Tagen hörte ich, dass sowohl die Deutsche Bank als auch Daimler über eine Quote für die oberste Etage immerhin nachdenkt), nicht alle Frauen auch wirklich dazu bereit sind, Karriere zu machen. "Karriere" – dieses Wort ist ein in der Öffentlichkeit höchst männlich konnotierter Begriff, der viele Frauen abschreckt. 14-Stunden-Arbeitstage, Netzwerke beim Bier bis spät in die Nacht, der Kontakt zur Familie nur über die Fotos auf dem Schreibtisch.

Doch gerade weil aus dem "Patriarchen" eine "Gruppe Piraten" geworden ist, sei es an der Zeit, dass "die Frauenbewegung nun in die Phase der ‚Regeln der Partizipation’" eintrete, schreibt Schrupp. Und: "Es ist notwendig, dass sich weibliche Autorität nicht nur im privaten Kreis äußert, sondern dass sie sich öffentlich zu Wort meldet." Und dabei hilft der Feminismus, "die Welt und die eigene Rolle darin besser zu verstehen und in Freiheit den Weg des persönlichen Begehrens zu finden".

Antje Schrupps Buch regt zum Nachdenken, zum Weiterdenken an. Wer sind wir Feministinnen heute? Welche Aufgaben warten heute auf uns, welche Möglichkeiten haben wir und welche nicht? Wichtiger denn je bleibt die Lebendigkeit der Frauenbewegung, der politische Austausch und die Bereitschaft, Autorität sowohl zu akzeptieren als auch zu übernehmen. Der Blick in die Zukunft stimmt Schrupp optimistisch, denn schließlich gehe es dabei um die "Liebe zur Freiheit". (Barbara)

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