Pressestimme zu "Seiltanz"

Aus: Rhein-Main-Zeitung vom 25.7.2009

Leben im Wissen um die Endlichkeit

Wer die Diagnose Krebs erhält, geht in aller Regel den Weg der Schulmedizin: Dies bedeutet Operation und anschließende Weiterbehandlung in Form von Strahlen- oder Chemotherapie beziehungsweise beidem. Felicianna Rosenbusch hat sich diesen Behandlungsformen verweigert, für sie kamen nur alternative Therapien infrage. Ihr Buch "Seiltanz. Mit Krebs auf naturheilkundlichem Weg und in Beziehung leben" eröffnet im Christel-Göttert-Verlag eine neue Reihe: "Frauen und ihre Wege zur Gesundheit".

Mit ihrer Lebensgefährtin, Kaie Haas, hat Rosenbusch ihren Umgang mit der Krankheit Brustkrebs in Worte gefasst; das Schreiben sei "pure Therapie", die geplante Veröffentlichung eine "Mutprobe" gewesen. Immer wieder trifft die frühpensionierte Lehrerin mit ihrer Entscheidung gegen eine Operation bei Ärzten auf Verständnislosigkeit. Nur schwer findet sie eine Ärztin, die ihren Willen akzeptiert und sie trotz ihrer naturheilkundlichen Therapie begleitet. Makrobiotische Ernährung, Bachblütentherapie, Homöopathie, Pendeln und Tarotkarten, vor allem aber intensives Qi Gong gehören zum Alltag, den Krebs zu bekämpfen. Erfolge stellen sich ein, es verschwindet gar einer von zwei Knoten in der Brust.

Das Buch "Seiltanz" lässt sich trotz der schweren Thematik erstaunlich gut lesen, der Stil erinnert ein wenig an den von Tagebucheinträgen. Was die Stärke dieser Neuerscheinung ausmacht, sind die zwei Perspektiven, die beständig vorherrschen: Felicianna Rosenbuschs und Kaie Haas` Stimmen treten gleichberechtigt nebeneinander auf, jede Passage ist mit dem Vornamen der jeweiligen Autorin gekennzeichnet. Abwechselnd erzählen die beiden über die ersten vier Jahre mit dem Krebs, über ihre Ängste und die wechselnden Stimmungen, die von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung bis hin zu Lebensfreude und Zuversicht reichen.

Mitunter wird auf diese Weise das gleiche Erlebnis aus zwei Sichtweisen beleuchtet, wodurch eine gewisse Objektivität entsteht: Denn die Diagnose Krebs verwandelt nicht nur das Leben des oder der Erkrankten, sondern auch das der Partnerin oder des Partners. Der Untertitel des autobiografischen Buches verweist bereits auf die vorrangige Gewichtung des partnerschaftlichen Aspektes. Und der Krebs als enorme Belastungsprobe war in der Beziehung von Felicianna Rosenbusch und Kaie Haas ein zusammenschweißender Lebenseinschnitt. Zwar sorgte er in schwierigen Phasen auch für Reibfläche, doch er brachte die beiden nicht auseinander, sondern ließ das Band zwischen ihnen noch enger werden.

Der Verlauf des Buches folgt einer linearen Chronologie und die Hauptüberschriften orientieren sich schlicht an den Jahreszeiten: "Erster Herbst", "Erster Winter", so schreiten die Kapitel Jahr um Jahr voran und enden im "Fünften Herbst". Acht Jahre schafft Felicianna Rosenbusch auf diese Weise, mit ihrem Krebs zu leben. "Ohne die Krebsdiagnose hätte ich mich wohl nicht so intensiv mit der Endlichkeit des Lebens auseinandergesetzt. Ich würde vielleicht noch immer meinen Planungen, meinen Zielen hinterher hetzen und den Augenblick darüber vergessen." (Nina Finkernagel)

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