Pressestimme zu "Die Zauberhaft"

Aus: Mathilde, Juli/August 2009

Ein Märchen, das keines ist

Märchen haben viel mit dem Urvertrauen der Menschen zu tun, sie werden fast überall auf der Welt erzählt. Meist handeln sie von Drachen, Zwergen, von verzauberten Menschen, von schwierigen Aufgaben, die gelöst werden müssen, und von einem guten Ende. Das skandinavische Märchen oder vielmehr Kunstmärchen vom alten Elchbock Skutt und der kleinen Prinzessin Tüvstarr, um das es bei diesem Hörbuch geht, endet gar nicht gut, sondern in Einsamkeit und Verzweiflung.
Wie die Autorin Dagmar Margotsdotter-Fricke aufzeigt, weist die vordergründig poetische Geschichte, bei der sich die zarte, kleine Prinzessin vom alten Elchbock mitnehmen lässt in die große Welt, bestürzende Parallelen zur Kindesentführung auf. Bei einem wilden Ritt durch den Wald verliert Tüvstarr ihre Krone, ihr Kleidchen und zuletzt das von der Mutter erhaltene goldene Herz, das sie an einem Kettchen um den Hals trägt. In eine Blume verwandelt, bleibt sie einsam und hoffnungslos im Wald zurück.
Dagmar Margotsdotter-Fricke hält derartige Geschichten, die unter dem Deckmäntelchen eines Märchens daherkommen, für gefährlich, denn sie machen kleine Mädchen unbewusst bereit für den unterhaltsamen, netten Onkel, der groß und stark ist und einer Prinzessin schöne Dinge zeigen will. Sie deckt die Einsamkeit und Arglosigkeit von Tüvstarr und die Verantwortungslosigkeit des alten Bocks auf, die hinter zarten Naturbeschreibungen und einer Gewalt verklärenden Erzählung verborgen sind, und analysiert das Märchen, den Täter und das Opfer sehr genau. Aber sie begnügt sich nicht damit, vor solchen Geschichten zu warnen, sondern sie zeigt Wege auf, wie eine junge Frau aus der Erstarrung durch den Missbrauch herausfinden und doch noch eine starke Königin werden kann. 2006 erschien ein gleichnamiges kleines Buch. (B.O.)

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