Pressestimme zu "Die Frau ist Mit-Schöpferin"

Aus: efi, evangelische frauen informationen für bayern, 2/2010

Schwangerschaft und Geburt sind keine Krankheit. Trotzdem bewegen sich die Beteiligten, Mutter und Kind, auf der Grenze zwischen Sein und Nicht-Sein. Das macht sie zu einem hochemotionalen Akt, und ich selber erinnere mich an die Zeiten, in denen ich mich der göttlichen Schöpfungskraft näher und aus dem Alltag herausgehoben fühlte.
Um das Heilige der Geburt geht es auch der feministischen Theologin und Pfarrerin Hanna Strack. In ihrem Buch hat sie eine interessante Perspektive eingenommen und die Begleiterinnen des Geburtsereignisses, die Hebammen, in den Mittelpunkt gerückt – denn sie haben mehr Erfahrungen als die Väter und Mütter. Wichtig ist ihr dabei der "schöpferische Prozess des Gebärens in der Beziehungsarbeit zwischen Gebärender und Hebamme". Die Autorin hat gründlich recherchiert und zunächst die Geschichte des Hebammenberufes aufgearbeitet. Bis in das vorige Jahrhundert hinein waren Geburtsbegleiterinnen fast ausschließlich Frauen, jedoch gelang es der männlichen theologischen Obrigkeit, sie zu disziplinieren.

Geburtsschmerz als Strafe Gottes

Die androzentrische Theologie versteht das Gebären unter Schmerzen als eine Strafe Gottes dafür, dass Eva Adam verführt hat, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Die Frau war also schwach und Sünderin. Hier sieht Strack Implikationen, die heute noch wirken: "So wie die androzentrische Theologie Frauen und das Kind als sündige Menschen ansieht, die nur über die Strafe der Geburtsschmerzen zum Heil gelangen, bietet die Geburtsmedizin mit der Unterwerfung unter ihre Maßnahmen die Sicherheit an, nach der Frauen sich sehnen. Hier ist der Körper der Frau nur Objekt, nicht der Ort der Kraft und der Schöpfung."
Genau um diesen Perspektivenwechsel aber geht es Hanna Strack: Die Frau als Mit-Schöpferin sichtbar zu machen und weg von der Ausrichtung auf den Kreuzestod des Herrn hin zu einer Theologie der Geburt zu kommen. Sie versteht, und knüpft damit an Hannah Arendt an, das Geborensein und nicht die Sterblichkeit als existenzielle Grundkategorie des menschlichen Lebens. Das bestätigen die Interviews, die sie mit Hebammen geführt hat, nämlich dass "die Geburt ein dramatisches und komplexes Geschehen ist, in dessen Mittelpunkt der schöpferische Akt des neuen Lebens steht. Gott kooperiert mit der Mutter, und diese ist Gottes Mit-Schöpferin." Frei praktizierenden Hebammen ist das, zumindest diffus, bewusst. Eine Hebamme sagt: "Es ist ein gewaltiges Erleben, ein elementares Ereignis, wo Frauen über ihre Kraft hinausgehen, um dem Kind das Leben zu geben", und eine andere findet deshalb die Abgrenzung wichtig: "Wir arbeiten nicht mit der Angst der Frau, damit dann eine Risikoschwangerschaft daraus wird und mehr Geld bringt." Hanna Stracks Buch gibt dem schöpferischen Prozess des Gebärens seine spirituelle Bedeutung wieder und hat dankenswerter Weise einen Anhang mit Liturgien, Segensbausteinen und meditativen Texten, die Hebammen, Müttern und Vätern helfen, dieses Ereignis zu Beginn des Lebens angemessen zu würdigen, übrigens auch für Situationen, in denen eine Schwangerschaft nicht mit einer glücklichen Geburt endet. (…) (Juliane Brumberg)

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