Pressestimme zu ""Wir dachten alles neu""

Aus: Mathilde, Mai/Juni 2010

Die profilierte Journalistin Erika Wisselinck war schon früh Themen auf der Spur, die sich die Aktivistinnen der Frauenbewegung erst in den 1970er Jahren auf die Fahnen schrieben. Als Übersetzerin der bahnbrechenden Bücher der amerikanischen Philosophin Mary Daly und anderer Schriftstellerinnen und als Autorin eigener Bücher gehört sie zu den herausragenden Vertreterinnen des Feminismus.

Geboren wurde Erika Wisselinck 1926 in Görlitz, die Familie zog später nach Dresden. Ihre Jugendjahre dort sind vom Krieg und der Nazidiktatur überschattet … Als Erika Wisselinck 1951 ihre Familie nicht mehr finanziell unterstützen muss, kann sie endlich studieren, sie schreibt sich in Volkswirtschaft und Philosophie ein. Sie will Journalistin werden … 1960 wird sie Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk. Sie befasst sich mit heiklen Themen

Neben ihrer journalistischen Tätigkeit arbeitet Erika Wisselinck seit 1962 halbtags als Studienleiterin in der Evangelischen Akademie Tutzing, wo sie selbstständig wegweisende und viel beachtete Tagungen zu aktuellen politischen Themen durchführt. 1972 kandidiert sie bei der Landtagswahl in München für die SPD und wäre mit 42,2 Prozent der Stimmen fast bayerische Landrätin geworden. Zwölf Jahre ist sie danach Kreisrätin in München. Kurz nach Gründung der Zeitschrift "Emma" 1977 arbeitet Wisselinck auf Honorarbasis in der Redaktion mit. Wegen des autoritären Führungsstil der Herausgeberin Alice Schwarzer wirft sie nach kurzer Zeit das Handtuch.

Als sie fast 50 Jahre alt ist, engagiert die erfolgreiche Journalistin sich ausschließlich für die Übersetzung feministischer Bücher und das Schreiben eigener Werke. Im Herbst 1981 erscheint "Gyn/Ökologie, eine Metaethik des radikalen Feminismus" von Mary Daly, übersetzt von Erika Wisselinck. Ihr erstes eigenes Buch "Frauen denken anders" lässt sie in dem von ihr selbst gegründeten "Sophia Verlag" drucken. Es wird ein Klassiker feministischer Themen. In ihrem Buch "Hexen" befasst sie sich mit der Thematik der Hexenverfolgung. In "Anna im Goldenen Tor" zeichnet Wisselinck ein Bild des alten Israel aus Frauensicht. Auf dem Fest der 1000 Frauen 1986 in der Alten Oper Frankfurt erscheint Erika Wisselinck als Sophia im weißen Gewand. 1988 erhält sie den Frauenförderpreis der Stadt München. Im gleichen Jahr gründet sie dort mit Gleichgesinnten das Projekt "Frauenstudien", um Seminare zu feministischen Themen anzubieten. Im Sommer 1993 übersiedelt Erika Wisselinck auf ihre Trauminsel Porto Santo, einer Nachbarinsel von Madeira. Dort findet sie nach ihrem Tod im Januar 2001 auch ihre letzte Ruhestätte. (B.O.)

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