Pressestimme zu "Über die Liebe zum Gras an der Autobahn"

Aus: Mathilde, Juli/August 2010

Mit Leidenschaft für das Leben

 

Die Wissenschaftlerin Claudia von Werlhof ist eine der radikalsten Kritikerinnen des Patriarchats und des Technikwahns unserer Zeit. Seit 1988 ist sie Professorin für Frauenforschung und Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck. In ihrem neuen Buch sind provokante Plädoyers, scharfe Analysen, kritische Aufsätze, aber auch ganz andere Texte enthalten, die von er Liebe zur Natur und von der Möglichkeit einer gesellschaftlichen Veränderung sprechen. Einen anderen Blick auf die Welt verspricht schon er Titel des Buches: "Von der Liebe zum Gras an der Autobahn". Während einer Autofahrt sieht Werlhof überall die grünen Gräser, die sich weder durch Abgase noch Schmutz unterkriegen lassen, und erfährt durch sie die Kraft und die Verbundenheit alles Lebendigen.

Ihre Kritik an der herrschenden Wissenschaft wird durch die eingetretenen Katastrophen und nicht durch akademische Diskurse ausgelöst. Seit dem Supergau von Tschernobyl 1986 kann niemand mehr der modernen Technik voll vertrauen, das macht die Autorin unmissverständlich deutlich. Wie ein Bumerang ist dieses Unheil auf die technisierte Welt zurückgefallen. "Eine Schöpfung aus Zerstörung" bezeichnet Werlhof die patriarchale Gegen-Welt zur Welt der Mütter und zu "Mutter Natur". Von Anfang an war die Mechanisierung der Natur ein Krieg gegen Pflanzen, Tiere und Menschen, insbesondere gegen Frauen. Ist doch gerade der weibliche Körper ein begehrtes Objekt der Reproduktionsmedizin.

Die Wissenschaftlerin entlarvt den "technischen Fortschritt" als Mythos, der weltweit gescheitert ist und wendet sich gegen das patriarchale Prinzip des "Teile und herrsche", das alles – Materie von Geist, Frauen von Männern, Natur von Gesellschaft – trennt, schwächt und dadurch angreifbar macht.

Mit klaren Argumenten wendet sich Werlhof gegen den Ausverkauf des bisherigen Bildungssystems zugunsten der Wirtschaft und gegen die Neoliberalisierung der Welt, die zunehmend in Kriege mündet.

Ein schmerzliches Thema ist für die Autorin die Spaltung der Frauenbewegung: viele Frauen kämpfen nicht mehr gegen das kapitalistische Patriarchat, sondern haben sich mit dem System arrangiert.

Ermutigend sind die Ausführungen von Claudia von Werlhof über die Grundlage einer politischen Spiritualität gegen die Vernichtung der Erde und für eine neue Zivilisation. Die LeserInnen erfahren außerdem von den Ideen junger Studierender, von dem "Manifest der Alpenweiber" und einer großen Wiener Demonstration im Jahr 2000, die zu einem kollektiven Fest wurde …

Und was passiert, wenn Frauen nichts mehr tun? Auch darüber hat Claudia von Werlhof einiges zu berichten. (B.O.)

« Pressestimmen zu "Über die Liebe zum Gras an der Autobahn"

« zur Übersicht der Pressestimmen