Pressestimme zu "Grüner Himmel über schwarzen Tulpen"

Aus: Rüdiger Nehberg von der Menschenrechtsorganisation "target" vom 26.4.2011

Brückenbauerin zwischen den Kulturen

Barbara Naziri ist Deutsche mit iranischen Wurzeln. Sie ist eine talentierte Geschichtenerzählerin und verknüpft diese Gabe geschickt mit ihrem Anliegen als Kämpferin für die Menschenrechte. Wie sie tägliche Begebenheiten während ihrer Besuche im Iran und Aufenthalte daheim in Hamburg sensibel, wortgewandt und poetisch vermittelt, ist literarisch fein gewoben.
Ihr Buch "Grüner Himmel über schwarzen Tulpen" ist spannend wie ein Krimi und liest sich in einem Flutsch. Trotz des geschilderten Grauens unter dem Druck der Ayatollah-Despotie, ist es dort, wo es verantwortbar ist, heiter, geistreich, humor- und hoffnungsvoll. Ihre Beobachtungsgabe ist beeindruckend. Ihre Notizen sind nicht ungefährlich und sie muss behutsam damit umgehen, denn sie ist Ereignissen ausgesetzt, die oft Kapriolen schlagen. Mit wachen Augen und scharfem Verstand seziert sie das politische Unrechtsystem Irans und die Einseitigkeit westlicher Medien sowie die Arroganz der Regimeanhänger, die selbst bis nach Deutschland reicht. Sie schildert die mannigfaltigen Dramen um ein geschundenes Volk, entrechtete Frauen, verschwundene Oppositionelle, Chaos und Niedergang eines zuvor kulturgesegneten Landes. Als Leser gewinnt man den Eindruck, die Autorin wirke auf Ereignisse geradezu wie ein Magnet. Alle Begebenheiten stehen offenbar Schlange, um von ihr erlebt und geschildert zu werden. Für Barbara Naziri liegt der Stoff auf der Straße. So wie der Müll, der nur recycelt werden muss.
Gegen die Autorin komme ich mir wie ein müder Pilger mit erheblicher Sehschwäche vor, und ich bin mir sicher, dass ich in ihrer Begleitung niemals unbeschadet zurückkäme. Sie scheint einen nicht kaputtbaren Schutzengel zu haben. Der meine wäre völlig überfordert. Dass sie selbst immer wieder teilgeschoren davon kommt, muss daran liegen, dass sie nicht auf den Mund gefallen ist. Vielleicht aber erlebe ich ja genau so viel und vermag nur nicht, es so ausdrucksstark in Worte zu fassen. Das Buch zwingt mich immerhin, mir darüber Gedanken zu machen.
Barbara Naziri, für Freunde Bary, ist eine Frauenrechtlerin par excellence. Nicht eine, deren Aktivismus sich in Deutschland risikolos für die Anhebung der Frauenquote austobt oder für neue deutsche Schreibweisen à la "StudentInnen", sondern eine, die immer wieder vor Ort der Diktatur geht und Risiken in Kauf nimmt. Seien es ernsthafte Bedrängnisse durch zudringliche Machos im Allgemeinen oder selbstgerechte geistliche Fanatiker und Mitläufer im Besonderen. Dass sie sich nebenher auch noch um geschundene Tiere und vermüllte Natur erregen muss, passt zu ihr. Alles oder nichts. Ungerechtigkeiten bringen ihr Blut zum Wallen. Oder zum Singen. Je nachdem. Vor allem zum Schreiben.
"Grüner Himmel über schwarzen Tulpen" fügt 1001 Nacht eine weitere Nacht-Geschichte hinzu. Eine Geschichte aus dem Leben. Mit Höhen und Tiefen. Ich empfinde sie als wichtiges, lesenswertes Zeitdokument. Es scheint mir geeignet, Iranern im Heimatland und im Exil Kraft und Hoffnung zu vermitteln. Hätte ich Barys sensiblen Schreibstil, dann wären meine Bücher längst Bestseller.
(Rüdiger Nehberg)

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