Pressestimme zu "Wir sind ein Kreis"

Aus: bzw-weiterdenken.de, 28.3.2012

Juliane Brumberg freut sich, dass es endlich ein Buch mit Ritualliedern in deutscher Sprache gibt.

Wenn es mit Worten nicht mehr weitergeht, ist oft die Musik hilfreich, um in Beziehung zu gehen, insbesondere wenn es um die Beziehung zum Göttlichen, zum Unverfügbaren geht. Nicht umsonst blicken wir auf eine reiche Tradition an evangelischer Kirchenmusik zurück. Nur leider kommen in den alten wohlfeilen Kirchenliedern nur die Brüder vor und die Frauen sind mal wieder unsichtbar. Veränderungen gab es erst, als die Frauenbewegung im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts aufdeckte, dass Frauen neben den politischen Veränderungen auch spirituelle Nahrung brauchen, um Geist und Seele zu stärken. Die Frauen machten sich auf die Suche, brachten Songs aus Amerika mit und übersetzten sie oder behalfen sich mit alten Kirchenliedern, denen sie einen frauengerechten Text verpassten. Erst mit dem Entwickeln eigener, neuer Rituale entstand nach und nach eine Kultur von Frauenliedern in deutscher Sprache.
Per kopiertem Handzettel oder Tonkassette – später dann auf selbstgebrannter CD – wurden sie weitergegeben und mussten immer wieder neu zusammengesucht werden. Im Vorwort berichtet die Herausgeberin Donate Pahnke McIntosh: "Wohl hunderte von Malen habe ich am Telefon gesungen, und es wurde immer deutlicher: Ein Liederbuch musste her." In der Dresdner Komponistin Sylke Zimpel fand sie dann endlich die Frau, die ihr die Notenfassungen aufschreiben konnte.
Und nun gibt es endlich ein handliches Ritualliederbuch mit 94 Liedern für alle Gelegenheiten und einer ausführlichen Einleitung, die Mut macht zu Musik und Klang, zu Rhythmus und Stimme im Ritual. Für viele Anlässe – Anfang und Ende, Heilungsschritte, Jahreskreisfeste, das Schweigen der Nacht, das Labyrinth oder Frauen mit Power – finden sich dort Liedvorschläge. Unter einigen Liedern steht ein Begleittext, z. B. wenn es um die Mythen von Inanna, Artemis oder Frau Holle geht; oder es gibt Erklärungen dazu, was Weben und Spinnen mit der Großen Göttin zu tun hat. Zum Schmunzeln ist das – zumindest mir – bislang unbekannte Lied über die Großstadtheiden und deren Versuche, in die Natur hinauszugehen. Schade, dass nur drei Lieder von Arunga Heiden, deren Kraftlieder und Mantren zumindest im süddeutschen Raum eine wichtige Rolle spielen, aufgenommen wurden. Trotzdem ein überfälliges Buch, das sicher viele Liebhaberinnen finden wird.
(Juliane Brumberg)

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