Pressestimme zu "Erzähl mir Labyrinth"

Aus: MatriaVal, April 2012

Die resolute Resonanz eines respektablen Zeichens

Was dieses Buch von anderen Labyrinthbüchern unterscheidet, spiegelt sich bereits im Titel wider: "Frauenkultur im öffentlichen Raum". Frauen waren es, die sich und der Welt in Zürich vor 20 Jahren das Labyrinth als Kultur- und Orientierungsmuster wiedergeschenkt haben. Und um es gleich vorweg zu nehmen: der Traum, der mit der Verwirklichung dieses ersten Labyrinthplatzes der "neuen Labyrinthbewegung" einherging, ist in Erfüllung gegangen. Nicht nur im deutschsprachigen Raum sind unzählige Labyrinthplätze entstanden, die die Intention der Schweizerinnen aufgenommen haben und weiter tragen: Orte zu schaffen, an denen Frauen unabhängig von gesellschaftlichen Strukturen über ein gutes Leben nachdenken können. Orte, deren komplexe Struktur wegweisend für menschliche Handlungsweise gesehen wird. Orte als formvollendete Übungsplätze für ein würdiges, gewaltfreies Zusammenleben aller Wesen.
Die "neue Labyrinthbewegung" hat inzwischen eine Vielzahl interessanter Bücher zum Thema hervorgebracht, aber ich bin überzeugt, dass sie den derzeitigen Umfang und die derzeitige Qualität nur erreicht haben, weil die Schweizer Frauen über die Jahre hinweg Lernlehrende gewesen sind, die Erfahrungsschätze mit all jenen getauscht haben, die das Labyrinth beWegt hat. Jetzt, nach 20 Jahren Praxis auf freier Labyrinthbahn, haben Agnes Barmettler, Regula Farner, Ursula Knecht, Caroline Krüger, Zita Küng, Katherina Morf und Rosmarie Schmid ihre Erfahrungen aufgeschrieben und uns das Labyrinth ein zweites Mal geschenkt.
Was mich dieses Buch wieder und wieder zur Hand nehmen lässt, ist seine Offenheit, die sich in seinem Aufbau widerspiegelt. Indem die Autorinnen die Fülle ihrer Erlebnisse und Erfahrungen in die Labyrinthstruktur gebettet haben, lassen sie die Lesenden die "kommunikative Schönheit" des Symbols Wort für Satz für Kapitel erfahren.
"Gwundrig" darf ich dem gewundenen Weg folgen, offen für all das Wundersame, das mich hinter jeder Biegung (in und nach jedem Kapitel) erwartet. Das Buch als Labyrinth – das Labyrinth als Buch. Eine weitere wunderbare Möglichkeit, sich in das Symbol einzulieben und mit "Labyrinthe zeichnen und bauen" gibt es eine detaillierte Anleitung sich ein Labyrinth ins eigene Leben zu holen.
Dem ersten Schritt hinein, dem letzten Schritt hinaus und jedem der sieben Umgänge ist ein Thema gewidmet, das von den Autorinnen gleichlautend auf dem Weg hinein und auf dem Weg hinaus behandelt wird. Ja, auch auf dem Weg hinaus, denn auf dem Weg durchs Labyrinth ändern sich Sichtweisen, Standpunkte und Blickwinkel. Die Texte zeigen, wie bedeutsam der Weg hinaus ist, welche anderen Details des Weges er ins Blickfeld rückt. Die Mitte als ein Ort des Innehaltens, der Umkehr, ist im Buch eine Leerseite. Ein Ort, an dem sich einiges, wenn nicht gar alles neu sortieren kann.

Es sind der weibliche Blick und die Struktur des Labyrinthes, die, einander ergänzend, die GeSchichten weiblichen Seins auf eine neue Art und als unverzichtbar ins Denken geben. Das DenkBare als Verbindung zwischen Theorie und Praxis, als Impuls, als Möglichkeit und Essenz des Augenblicks. Das DenkBare in das Metaphorische des Gartens gekleidet, der das Zürcher Labyrinth ist, verweist auf das Wandelbare der Welt. Hier wird der Weg als Prozess verstanden. Labyrinthische Prozesse, so ist den Texten zu entnehmen, sind sowohl langwegig als auch lustvoll. Es ist eine Herausforderung an den Umgang mit Sprache, das "Sowohl-als-auch" in diesem Medium erfahrbar zu machen. Sprachwendig und eigenSinnig erweitern die Autorinnen die Räume des All-Täglichen. Als Bezugspunkt immer wieder die tanzende Frau, um die sich der Weg windet.
Das Wort Vademecum, das Rosmarie Schmid auf dem Rückweg ihrem Thema "UrSprünge und BeWegGründe" zuordnet, klingt mir noch immer im Ohr. Vademecum – geh mit mir: einer von vielen BeWegGründen das Buch zu lesen. (Bettina Melzer)

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