Pressestimme zu "Grüner Himmel über schwarzen Tulpen"

Aus: www.frauenrechte.de (TERRE DES FEMMES), 2012

In ihrem Roman erzählt die Autorin in poetischer Sprache von ihren west-östlichen Einsichten in die Welt zweier unterschiedlicher Kulturkreise und ergänzt durch ihre eigenen Erfahrungen das von den Medien einseitig geprägte Bild des Irans. Die Autobiographie stellt so eine Mischung aus Reisebericht, Geschichtsbuch und gesellschaftlichem Protestzeugnis dar, in der die politischen Verwerfungen der jüngeren iranischen Geschichte durch die Empathie der Autorin für das Land ihrer Vorfahren auf gefühlvolle Weise an den Leser herangeführt werden.
Barbara Naziri, deren Mutter deutsch-dänische und deren Vater iranische Wurzeln hat, ist durch ihr Umfeld früh für die Bereicherungen aber auch das Konfliktpotential interkultureller Begegnungen sensibilisiert worden. Aufgewachsen in Hamburg bereist sie nach der Geburt ihrer Kinder über zwanzig Jahre lang den Iran mit dem Ziel, ihr Leben einmal dort zu verbringen: Ein Traum, der sich angesichts systematischer Menschenrechtsverletzungen und politischer Repressalien, fundamentalistischer Mullahs und dem herrschenden Gesetz der Scharia, das vor allem die Freiheitsrechte der Frauen betrifft, schwierig zu gestalten scheint.
Naziri nimmt den Leser einerseits mit in die abwechslungsreiche Natur und Landschaft des Iran, deren Beschreibungen eine stark bildhafte Sprache anhaftet. Andererseits berichtet sie von den alten persischen Kulturstätten wie den Feuertempeln Zarathustras oder den großartigen Moscheen und Grabstätten berühmter Dichter. Auch die Anfänge und Auswirkungen der Islamischen Revolution auf die Zivilbevölkerung, die in der Mehrheit nach Frieden, Reformen und politischer Partizipation strebt, stehen im Zentrum der Handlung und formen durch ihre Eindrücklichkeit aber auch durch den humorvollen Erzählton ein neues Bild der sozialen und gesellschaftlichen Lebensumstände moderner Iranerinnen und Iraner. Dies konkretisiert sich zum Beispiel in den anschaulichen Beschreibungen der Grünen Demokratiebewegung und den Demonstrationen von 2009, in deren Verlauf vor allem die Stärke der Frauen sichtbar wird.
Barbara Naziri ist in ihrem autobiographischen Roman eine persönliche Auseinandersetzung mit den Stärken und Schwächen, den Hoffnungen und Frustrationen gelungen, mit denen die Einwohner aber auch die Exilanten dieses Vielvölkerstaates zu kämpfen haben. Über die individuelle Ebene hinaus spricht sie relevante zeitgenössische Umwälzungen in sozialen und politischen Bereichen an, die die Kultur des Iran formen und zeichnet so ein differenziertes Bild der iranischen Gesellschaft.
In dieser Hinsicht leistet die Autorin einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung zwischen dem Westen und dem Osten, zwischen Deutschland und dem Iran. (Besprechung: Sarah Breitenbach)

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