Pressestimme zu "Ich lebe. Ich bin."

Aus: Mathilde, Juli/August 2012 und MatriaVal, Aug. 12 JdF

In den bunten, schillernden Bildern lauert überall Gewalt

... Das Buch handelt von sexueller Gewalt. Die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Sie selbst und auch ihre Mutter sind die Opfer. Durch eine sehr poetische Sprache voller Bilder zieht die Autorin die Leserin in ihren Bann. Gedichte wechseln mit den erzählenden Texten ab. Sie stellt dadurch Nähe zur Leserin her. Und dann geschieht das Unfassbare ...

In den bunten, schillernden Bildern lauert überall Gewalt. Genauso muss sie sich fühlen! Die Gewalt wird fortgesetzt, und der Vater verschleiert seine Absichten nicht einmal. Als sie in ein Alter kommt, in dem Kinder aufgeklärt werden, beginnt er relativ offensichtlich seine Tochter regelmäßig sexuell zu missbrauchen bis sie circa 16 Jahre alt ist. Es folgt die unspektakuläre Freilassung, er hat an der Heranwachsenden kein Interesse mehr.

Danach nimmt die Erzählung Fahrt auf, es geht um ihre Ausbildung, ihre Liebhaber, ihre Therapien, eine versuchte Vergewaltigung, ihren Beruf. Alles ist vergiftet von dem erlittenen Seelenmord. Die Therapien helfen nicht, manche schaden sogar, denn sie bringen neue Abhängigkeiten, wieder sexuelle Gewalt und Demütigungen oder Vorwürfe ...

Das Buch verlangt der Leserin einiges ab. Es wühlt auf, und wir warten sehnsüchtig auf Besserung. Die Leserin kann es sozusagen von innen lesen und von außen. Beides sogar gleichzeitig. Es schmerzt und die Leserin muss sich schützen. Dadurch wird es ein Zeugnis für den unermesslichen Schaden, den sexuelle Gewalt anrichtet. Erleichterung geschieht erst spät. Die Autorin ist da wahrscheinlich etwa 50 Jahre alt, als mit Hilfe einer guten Therapeutin die Vergewaltigung des Babys erinnert wird, die Brigitta beinahe das Leben gekostet hätte ... (Sc)

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