Pressestimme zu "Ich lebe. Ich bin."

Aus: Mainspitze vom 23.11.2012

Nicht Opfer, sondern Schöpferin der Wahrheit

Sexuelle Gewalt: Autorin Gita Iff erzählt ihre Lebensgeschichte - und macht den Zuhörern Mut, das Schweigen zu brechen

"Ich lebe. Ich bin.": Unter diesem Buchtitel verbirgt sich eine ganze Lebensgeschichte. Die Lebensgeschichte von Gita Iff, die in ihrer Kindheit sexuelle Gewalt erlebt und über mehrere Jahre den Übergriffen ihres Stiefvaters ausgesetzt war. Eine Geschichte, die auch davon handelt, wie die Erinnerungen an die Geschehnisse das ganze weitere Leben beeinflussen und wie schwierig es ist, die Vergangenheit zu verarbeiten, um sie nicht die gesamte Zukunft überschatten zu lassen. Eine Erzählung darüber, wie schwer es fällt, das Kapitel zuzuschlagen und unbeschwert weiter zu leben. Gespannte Stille und konzentrierte Aufmerksamkeit herrschte, während Iff aus ihrem Buch vorlas und die Anwesenden damit an ihrem Leben und den zum Teil schrecklichen Ereignissen in ihrer Kindheit teilhaben ließ.
Anlass für diese Lesung, die als Kooperationsveranstaltung vom Frauenzentrum, der Frauenbeauftragten der Stadt und dem Verein Wildwasser auf die Beine gestellt wurde, war der "Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen". Weltweit machen an diesem Tag Veranstaltungen auf die Situation von Frauen aufmerksam, denen Gewalt widerfährt und die oftmals ein Leben lang damit zu kämpfen haben. Iff aber hat einen Weg gefunden, all das hinter sich zu lassen. Sie sitzt selbstbewusst auf ihrem Platz und liest aus einzelnen Kapiteln aus ihrem Buch, von einem kleinen Mädchen und einer glücklichen Kindheit - bis zum dem Tag, an dem das kleine Mädchen plötzlich zur Geliebten wird.

Jahre voller Ekel
Sie erzählt von fünf bis sechs Jahren voller "Ekel und Einsamkeit" und dem Versuch, das, was geschieht, irgendwie als normal abzutun. Sie spricht auch darüber, wie selbstverständlich es erschien, dass das, was passierte, niemandem sonst erzählt werden durfte. Gewehrt hat sie sich nie, berichtet sie. Die Übergriffe fanden erst ihr Ende, als ihr Stiefvater sie mit 16 Jahren aus der erzwungenen Beziehung entließ.
Gegenüber ihrem Stiefvater, "Papi" wie sie ihn damals nannte, hegte sie immer ambivalente Gefühle. Auch schöne Momente habe es gegeben, und als "Auserwählte" habe sie sich manchmal besonders gefühlt. "Ich war damals ein Kind, und niemand erklärte diesem Kind die Welt." So sei alles selbstverständlich geworden. Ob ihre Mutter etwas gewusst habe, fragt eine Zuhörerin. "Sie hat gesehen, ohne zu sehen", vermutet sie und erklärt die Hilflosigkeit ihrer Mutter auch damit, dass diese als junge Frau ebenfalls Opfer sexueller Gewalt geworden ist.
Zum Schluss betont Iff, wie wichtig es ist, über das Erlebte zu sprechen und wie gut es ihr getan habe, das Buch zu schreiben. "Ich möchte Christel Göttert und ihrem Verlag danken", merkt sie an. "Durch die Veröffentlichung bin ich nun nicht mehr Opfer, ich bin Schöpferin meiner eigenen Geschichte und meiner Wahrheit." (sab)

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