Pressestimme zu "ABC des guten Lebens"

Aus: efi - evangelische frauen informationen für bayern, 1/2013

Das gute Leben durchbuchstabiert

Seit rund 15 Jahren machen sich Denkerinnen um Antje Schrupp und Dorothee Markert in wechselnder Zusammensetzung Gedanken darüber, wie ein gutes Leben für alle möglich ist. Dabei stellten sie fest, dass es für neue Gedanken auch neue Wörter braucht, dass manche neue Ideen mit den alten Begriffen gar nicht ausgedrückt werden können.

1999 waren sie mit einer "Flugschrift über Weiberwirtschaft und den Anfang von Politik" gestartet, die als allererstes quadratisches Bändchen der kleinen philosophischen Reihe im Christel Göttert Verlag erschien. Doch mit einer Buchveröffentlichung hat sich ja noch nichts geändert, ist das Thema nicht abgehakt. Dankenswerterweise sind die Autorinnen und ihre Denkfreundinnen drangeblieben an ihrem Thema, getrieben von der "Liebe zur Freiheit und dem Hunger nach Sinn", so, wie auch der Titel des ersten Büchleins lautete. Sie haben weiter über das gute Leben diskutiert, im Internet darüber geschrieben und ihre Gedanken präzisiert und ausgefeilt.

Geburtlichkeit, Wirtinschaft, Scheißologie oder intervitales Gespräch lauten einige der Begriffe, die die von ihnen visionierte neue Gesellschaftsordnung charakterisiert. Diese neuen Wörter haben sie in einem weiteren Bändchen, das im August erschien, publiziert: Ein ABC des guten Lebens.

Das Patriarchat ist zu Ende

Aus Sicht der Autorinnen ist das Patriarchat zu Ende. Sie bewegen sich in einem "postpatriarchalen Denken" und gehen davon aus, dass für die politischen und kulturellen Aufgaben, die jetzt zu lösen sind, eine "Arbeit am Symbolischen" nötig ist. Sie nehmen die feministische Kritik an der alten zweigeteilten symbolischen Ordnung auf, bleiben aber nicht bei ihr stehen. Berechtigte Kritik wollen sie konstruktiv und erfinderisch weiterführen, indem sie anfangen, die Welt neu zu ordnen. Wut und Klage über weiblichen Status als Opfer und Diskriminierte rücken allmählich an den Rand. In die Mitte rückt die Verantwortung für ein neu gestaltetes gutes Leben für alle. Das ist das, was Politik für sie wertvoll macht und wofür sie sich seit Jahren engagieren.

Mit dem jetzt erschienen Büchlein stellen sie das "Zwischenergebnis" ihrer "Neubenennungsarbeit" zur Diskussion. Das "ABC des guten Lebens" präsentiert sich in einem sympathischen, farbenfrohen Einband. Die Form eines Alphabets ermöglicht es den Leserinnen und Lesern, irgendwo im Buch zu beginnen, "sich von einzelnen Wörtern anziehen, andere zunächst liegen zu lassen".

Neues Vokabular ist nötig

Mit einer kurzen, gut verständlichen Einleitung erklären sie ihre Absicht – und dann geht es los: mit Abhängigkeit und Aufräumen über Bedürftigkeit, Genuss, "sowohl als auch", oder Bezogenheit bis hin zum Unverfügbaren, zur Würdeträgerin und zur Zugehörigkeit. Manche Wörter sind durchaus bekannt, bekommen aber neues Gewicht und neue Wertigkeit. Am Ende der jeweiligen Artikel gibt es Literaturhinweise zum Weiterlesen. Manchmal sind das auch Internetadressen, wie überhaupt Internetaffinität ein wichtiges Kriterium für die Autorinnengruppe ist. Sie haben ihr ABC nicht nur bei gemeinsamen Treffen, sondern auch über eine Internetdiskussion entwickelt. Und haben die Diskussion darüber jetzt im Internet für alle Interessierten freigegeben. Das komplette Büchlein ist dort abrufbar. Über die Kommentarfunktion kann sich jede Leserin an dem Denkprozess beteiligen und mit den Autorinnen in Kontakt treten.

Das ist es, was dieses ABC des guten Lebens für mich wertvoll macht: dass ich es im Internet finde und mich in die Diskussion einschalten kann, dass ich es aber auch unabhängig von jeder Technik in die Hand nehmen, es durchblättern oder schön einwickeln und verschenken kann. Insbesondere sind es jedoch die Inhalte, die Werte, die mit den neuen und alten Wörtern anschaulich und gut lesbar transportiert werden, die das ABC des guten Lebens für mich zu einem besonders gelungenen Projekt machen. (Juliane Brumberg)
Im Internet: www.abcdesgutenlebens.de

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