Pressestimme zu "Von Sonnenbraut, Mutterwurz und Weiberkraut"

Aus: www.beziehungsweise-weiterdenken.de, 17.9.2013

"Wer nicht den Rosmarin pflückt, hat keine Liebe und wird auch keine bekommen"

Ein lesenswertes Buch über die Begegnung mit Heilpflanzen. "Noch ein Kräuterbuch? Es gibt doch schon so viele!" Diesen Kommentar ahnend, antworte ich: Das ist auch gut so, dass ein alt-neues Bewusstsein über die Heilkraft der Kräuter heute schon in Talk-Shows diskutiert wird. Die Autorinnen Gerda Buchberger und Eva-Maria Rapp nähern sich auf besondere Weise diesem Bereich: "Von Sonnenbraut, Mutterwurz und Weiberkraut", dieses schöne Buch enthält nicht nur Aufklärung und wichtige Tipps, es spricht von der ganz persönlichen Begegnung mit den Heilpflanzen. Sie in den Lücken zwischen den öden Monokulturen überhaupt noch zu finden verlangt schon Geduld und ein aufmerksames Auge. Gerda Buchberger verfügt über beides und artikuliert ihre Erfahrung in einem herzöffnenden Prosastil, der zum Weiterdenken einlädt. Wie von nebenher entstehen dabei poetische Landschaftsbeschreibungen von Bayern und Mallorca – Orte, an denen sie wohnte und wohnt: die Lieblingsinsel der Deutschen ist ihr zur zweiten Heimat geworden, am Rande des Dorfes Santanyí lebt sie mir ihrer Lebenspartnerin Eva-Maria Rapp zwischen Mandelbäumen, schattenspendenden Algarrobos und einem Teil der Kräuter, von denen das Buch handelt.

Die im Titel als erstes genannte Sonnenbraut ist keine literarische Erfindung, es handelt sich um die blaue Wegwarte, auch Sonnenwedel, -wendel oder -wirbel genannt, die "am Morgen ihre blauen Blüten der Sonne entgegenstreckt und, dem Lauf der Sonne folgend, die Blüten dann immer mehr schließt. Die Wegwarte gilt auch als Sinnbild der treuen Liebe" (Seite 258). Das ausführliche Kapitel über diese in Ägypten schon vor 4000 Jahren bekannte Heilpflanze (vor allem gegen Verdauungsbeschwerden) hat mich besonders berührt: "Die Beschützerin und Gefährtin der umherschweifenden Menschen ist selten geworden, so rar wie das fahrende Volk der Zigeuner und Zigeunerinnen, nach dem sie benannt ist als Zichorie. In unserem Zeitalter, in dem Leistungsprinzipien und Zielorientiertheit die herrschenden Werte sind, ist nur noch in kleinsten Lücken Platz für VagantInnen und VagabundInnen." (Seite 162f)

Die Erfahrung einer anderen Zeit spricht aus solchen Zeilen einer erfahrenen Frau, die Zeugin der zunehmenden Umweltzerstörung wurde. Umso aufmerksamer blickt sie in die Lücken, wo sich noch Heilkräuter finden oder wo sie ihr plötzlich unerwartet begegnet sind. Dabei erfahren wir, dass sie seit vielen Jahren an diesem Buch schrieb und ihr die Wegwarte, dieses Zauber- und Hexenkraut (Seite 167), die Pflanze ist, "in der sich das Bewusstsein für den Weg, den ich gehe, materialisiert".

Aus solchen Sätzen erspüren wir, dass dieses Buch mehr ist als akkumuliertes Wissen über Kräuter und ihre Zubereitung: es führt uns auf uns selbst zurück, auf unsere Befindlichkeit in Bezug auf die Begegnung mit Kräutern – dass es um mehr dabei geht als um konsumorientierte, "ökobewusste" Gesunderhaltung.

Auch von der Geschichte der Kräuter erfahren wir, vom englischen Opiumkrieg um den Mohn: "Kaum eine Pflanze ist als Kult-, Heil-, Nahrungs-, Sucht- und Todesmittel so tief mit dem Geschick und der Geschichte der Menschen auf unserer Erde verbunden, wie der Mohn …" (Seite 85). Zur Schmerzlinderung ist diese Heilpflanze unentbehrlich und als Schlafmittel altbekannt: Auf Mallorca wurde "der weiße Saft des Mohns hinter das Ohr getupft." (Seite 92)

Allons rêvons! Lasst uns träumen auf der "Insel des Lichts" mit dieser schönen Ferienlektüre!

(Prof. Dr. Gisela Dischner, August 2013)

« Pressestimmen zu "Von Sonnenbraut, Mutterwurz und Weiberkraut"

« zur Übersicht der Pressestimmen