Pressestimme zu "Die weibliche Seite der Ur- und Frühgeschichte"

Aus: beziehungsweise-weiterdenken, 15.4.2014

Zusammengestellt, was gern verschwiegen wird

Noch vor 20 Jahren wäre dieses Buch so nicht vorstellbar gewesen. 400 Seiten dick ist Barbara Obermüllers Zusammenstellung all der Spuren, die Frauen in der noch schriftlosen Zeit der Ur- Und Frühgeschichte hinterlassen haben. Bis fast zum Ende des zweiten Jahrtausends war dieser Bereich der Geschichtsforschung ganz und gar männlich dominiert, Frauen kamen nicht vor. Wenn doch, dann als nettes Beiwerk und in den Rollen, die sie im Patriarchat der Neuzeit einnahmen, zurückprojiziert in die Vorzeit …

Das Publizieren und Zusammenstellen der weiblichen Spuren hat nun Barbara Obermüller übernommen und präsentiert in ihrem Buch eine unglaubliche Fülle der weiblichen Seite der Ur- und Frühgeschichte. Systematisch hat sie alle Epochen von der Altsteinzeit über die Jungsteinzeit, die Bronzezeit und dann die Zeiten der Keltinnen und Kelten, der Germaninnen und Germanen und schließlich die Zeit der römischen Besatzung in Europa vorgestellt und auf die Rolle der Frauen hin abgeklopft. Anschaulich beschreibt sie die besonderen Entwicklungsfortschritte der jeweiligen Epoche. Auch historisch vorgebildete Leserinnen nehmen hier etwas mit, staunen über die jahrtausendelangen weiblichen Kontinuitäten und sind erschrocken über die zerstörerische Kraft, mit denen der patriarchale Wandel gegen Ende der Bronzezeit um sich griff und das weitgehend friedliche Zusammenleben in egalitären Strukturen beendete.

Wer sich einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand verschaffen möchte, ist mit diesem Buch und seinen vielen Abbildungen überaus gut bedient. Im zweiten Teil sorgt die Autorin für eine Vertiefung des Themas, in dem sie speziell Ausgrabungen in Hessen betrachtet und sich an regionalen Beispielen erneut durch die Epochen hangelt ...
(Juliane Brumberg)

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