Pressestimme zu "Die weibliche Seite der Ur- und Frühgeschichte"

Aus: aep informationen. Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, Nr. 2/2014

Die Jahrtausende der Altsteinzeit sind die längste Phase der Menschheitsgeschichte (rund 97 Prozent), jedoch wird diese Phase "prähistorisch" genannt, so als gehöre sie nicht zu unserer Geschichte. Und die Bedeutung von Frauen, von Göttinnen, von Mythen und Glauben in dieser Zeit war lange unsichtbar geblieben – die traditionelle Geschichtsschreibung hatte das alles übersehen, für unwichtig gehalten. "Aber angesichts der Fülle der Frauendarstellungen und der fast völligen Abwesenheit des Mannes in dem langen frühgeschichtlichen Zeitraum ist es nahe liegend, die erste Symbolordnung als eine weibliche zu benennen" (Annette Kuhn). Die Präsenz der Frauen in der Symbolik der Steinzeitkunst ist nicht zu übersehen. Und immer mehr werden diese Symbole, diese Bildnisse für Erzeugnisse von Menschen gehalten, die in Frieden, Freiheit und innerer Ausgeglichenheit gelebt haben. Dass diese Menschen friedliebend waren, dafür spricht auch die Tatsache, dass massive Befestigungsanlagen sowie Hieb- und Stichwaffen bei Ausgrabungen nicht gefunden wurden. Lange bevor die Menschen begannen, Kriege zu führen, schufen sie Kunstwerke, sie waren mit der Erde und dem Kosmos verbunden und hielten die als weiblich göttlich erfahrene Schöpfung heilig. Die Autorin geht noch einen Schritt weiter: In der weiblichen Symbolordnung drückte sich ein  kollektives matriarchales Bewusstsein aus, das entscheidend von Frauen geprägt worden sei, Männer aber nicht ausschließe. Die Auswertung dieser Fülle von Frauendarstellungen zeigt, dass in der Ur- und Frühgeschichte Frauen als Clan-Mütter, als Ernährerinnen ihrer Gemeinschaft, als Bäuerinnen, als Erfinderinnen und als Jägerinnen wirkten. Die Verehrung galt einer großen universalen Göttin, und alles weist auf eine lange Periode des friedlichen Zusammenlebens ohne kriegerische Auseinandersetzungen hin. In ihrem Buch geht die Autorin all diesen Zusammenhängen nach und zeigt auf, dass Frauen bereits seit der Ur- und Frühgeschichte eine wichtige Rolle als handelnde und Gesellschaft, Religion und Kultur gestaltende Personen gespielt haben. Es ist ein alter Menschheitstraum, in einer Welt zu leben, in der es keine zerstörerischen Machtstrukturen gibt. Die alte Welt der Frühzeit ist nicht wiederholbar, aber es ist gut zu wissen, dass Krieg nicht "naturgegeben" ist. All dies ist faszinierend zu lesen und mit vielen schönen Abbildungen versehen.

(Monika Jarosch)

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