Pressestimme zu "Familie als Beginn"

Aus: efi, 3-2016

Ungewohnte Familienmodelle …

… hat uns die Matriarchatsforschung vorgestellt. Diese Matriarchate werden in grauer Vorzeit vermutet. Aber auch heute noch gibt es sie, zum Beispiel bei den Mosuo in China. Sie leben frauenzentriert in Clans, die bis zu vier Generationen umfassen. Es gibt keine Ehemänner, sondern als männliche Bezugspersonen die Brüder der jeweiligen Generation, die in ihrer Herkunftsfamilie bleiben, einer Arbeit nachgehen, sich an der Erziehung der Kinder ihrer Schwestern beteiligen und in der Familie versorgt werden. Väter der Kinder sind Liebhaber der Frauen, mit denen diese längere oder kürzere Zeit verbunden sind, ohne aber einen gemeinsamen Haushalt zu haben. Es ist eine sogenannte Besuchsehe.

Die Autorin Fricka Langhammer hat diese Weise des Zusammenlebens in einer kleinen Studie mit der bei uns gelebten Kleinfamilie verglichen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass das Aufwachsen in frauenzentrierten Clans mit einer der reiferen Frauen als Familienoberhaupt für Kinder wesentlich mehr Stabilität bietet. Was sie besonders überzeugt ist die Tatsache, dass die Liebesbeziehung und das sexuelle Verlangen zwischen Frauen und Männern bei den Mosuo von der ökonomischen Existenzsicherung getrennt sind. Auch wenn die Autorin weiß, dass die Lebensverhältnisse aus dem ländlichen China nicht auf das industrialisierte Europa zu übertragen sind, wagt sie am Schluss des Buchs ein Expertinnengespräch darüber, wie eine matriarchal geprägte Großfamilie wenigstens in Ansätzen in Deutschland gelebt werden könnte.

(Juliane Brumberg)

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