Pressestimme zu "Familie als Beginn"

Aus: Mutterlandbrief, Nr. 6, Sommer 2016

Dieses Buch ist aus verschiedenen Gründen etwas ganz Besonderes in der inzwischen langen Reihe von Veröffentlichungen über Matriarchate. Wieso etwas Besonderes?

Nun, Fricka Langhammer ist eine junge Frau aus der Generation der Gegenwart und Zukunft, ja, sie ist quasi eine Enkelin der Mütter der modernen Matriarchatsforschung. Aus deren reichen Wissensquellen schöpft sie auf ihrer Suche nach modernen realistischen Antworten auf Fragen, die sie sowohl für sich persönlich als auch stellvertretend für ihre Generation stellt:
"Kann die matriarchale Lebensform eine Perspektive für uns sein?"
"Sind solche alternativen Konzepte innerhalb unserer westlichen Rahmenbedingungen lebbar?"
"Zeigen uns Matriarchate eine neue Ordnung, ein alternatives Lebensmodell, das wir in unserem täglichen Leben umsetzen können?"

Matriarchale Strukturen und Gesellschaftsprinzipien wurden in den letzten Jahren immer intensiver erforscht und authentisch beschrieben, einige indigene matriarchal organisierte Völker melden sich inzwischen selbst zu Wort. Mehrere Matriarchatskongresse, zahlreiche Forschungsergebnisse, dokumentiert in Literatur und Film und nicht zuletzt die globale Vernetzung haben ihnen bewusst gemacht, dass sie weder vernachlässigbare Relikte einer anderen gesellschaftlichen Spielart sind noch Teil einer idealisierenden Utopie, wie es häufig unterstellt wird.
Immer klarer zeigt sich, dass ihre uralten Weisheitsregeln auf allen lebenswichtigen Ebenen in viel höherem Maße ein "gutes" Leben ermöglichen, als es die patriarchalen Strukturen trotz moderner Errungenschaften vermögen. Ein Gesellschaftssystem, getragen von mütterlicher Intelligenz, verlässt die lebensfeindlichen patriarchalen Muster, wie Fricka L. am Beispiel des matriarchalen Volkes der Mosuo in China herausarbeitet.

Was also können wir – sozialisiert und umgeben von patriachalen Denkgebäuden und Wirklichkeiten – von den Mosuo und anderen matriarchalen Völkern lernen und in eigene praxisnahe Wege umsetzen? Mit diesem Anliegen in Kopf und Herz untersucht Fricka L. zunächst die Unterschiede zwischen den beiden Lebensmodellen, indem sie das Gesellschaftsmodell der asiatisch-matriarchalen Großfamilie mit der uns bekannten bürgerlichwestlichen Kleinfamilie vergleicht.

Erforschung matriarchaler Strukturen und Gesellschaftsprinzipien

Sie tut das in einer Art und Weise, wie sie bisher noch nicht praktiziert wurde, indem sie einen ganz eigenen persönlichen Schwerpunkt dadurch setzt, dass sie die Lebensqualität des einzelnen Menschen in den Focus nimmt, d.h. sie schaut vor allem darauf, wie es den Menschen in den von ihr verglichenen Strukturen im alltäglichen Leben geht.

Auf eine ausschließlich ethnologische Beschreibung der erforschten Matriarchate verzichtet die Autorin, auch Diskurse über differierende Benennungen lässt sie bewusst außen vor und benutzt für sich den inzwischen gängig gewordenen Begriff "Matriarchat".
Das methodische Handwerkszeug und wissenschaftliche Instrumentarium, mit dem sie an ihre Fragen herangeht und hervorragend meistert, erwarb sich die bildende Künstlerin und Gestalterin durch ihr Studium an der ecosign/Akademie für Gestaltung in Köln.

Im ersten Teil des Buches setzt sie sich mit der historischen Entwicklung und den Hintergründen des westlichen Familienbildes auseinander. Präzise fasst sie die Entwicklung vom Patriarchatsbeginn bis über die Industrialisierung und Kapitalisierung der bürgerlichen Kleinfamilie zusammen, verfolgt die Entwicklung zur selbständigen, individuellen Hausgemeinschaft eines (Ehe-)paares mit (k)einem oder mehreren Kindern zur "kulturellen Selbstverständlichkeit". Die Ehe wurde mit Hilfe der christlichen (Sexual-)Dogmatik zur alleingültigen Form des Zusammenlebens.

Sowohl mit statistischen Infos über Scheidungsraten, Alleinerziehende, Singles, Erwerbs- und Hausarbeit, Mütterarmut, Gewalt in der Familie, Situation der Alten, als auch mit der Gegenüberstellung der Geschlechter- und Generationenverhältnisse und des Rollenverhaltens in einer Familienstruktur, und nicht zuletzt Befragungen über die Bedürfnisse, die im Zentrum stehen, weist sie nach, dass das Wohl, die Bedürfnisse und der Schutz von Müttern und Kindern und Alten nicht im Fokus einer patriarchal geprägten Gesellschaft stehen.

Untersuchung der Lebensqualität der Menschen

In matriarchal strukturierten Gesellschaften ist das völlig anders, hier stehen die Mütter und Kinder im Mittelpunkt. Wo es ihnen gut geht, sind auch Alte, Kranke, Pflege- und Trostbedürftige gut versorgt, denn Schutz und Fürsorge der Gemeinschaft für das Leben aller bestimmen die Sozialstruktur.

Ausführlich widmet sich die Autorin im zweiten Teil ihrer vergleichenden Untersuchung den Systemunterschieden in Ökonomie, Ökologie, Soziologie, Genealogie, Familienstruktur, Ethik und Politik am Beispiel der Mosuo. In der Summe der Gegenüberstellungen gelingt es ihr, die Bilder und Werte, die Visionen und die Spiritualität, die Seins- und Heilweisen einer Gesellschaft hervortreten zu lassen, die sie für sich persönlich als Vorbild begrüßt. Es gelingt ihr außerdem, diese zukunftsweisende Perspektive für die Leserinnen gut nachvollziehbar zu begründen.

Dabei bleibt sie wohltuend frei von idealisierenden oder/und ideologischen Interpretationen. Mit wissenschaftlicher Korrektheit arbeitet sie anschaulich, ausführlich und übersichtlich gegliedert die Unterschiede heraus und zeichnet ein klares Bild.

In einem persönlichen Fazit und einem Gespräch mit zwei ihr sehr nahestehenden Frauen und Lebenslehrerinnen, ihrer Mutter Li Shalima und Fräundin Uscha Madeisky entwickelt die Autorin ihr persönliches Fazit:

"Das Bild einer generationsübergreifenden Gemeinschaft, in der sich alle gegenseitig auch wirtschaftliche Sicherheit und affektiv-emotionale Unterstützung geben können, ist für mich persönlich eine großartige Vorstellung für mein eigenes zukünftiges vertrautes Zusammenleben mit anderen Menschen ..." (Fricka Langhammer)

Es ist zu wünschen, dass Fricka Langhammers Buch viele Leserinnen findet und vor allem die junge Generation sensibilisieren wird für einen Ausweg aus der lebensfeindlichen patriarchalen Umklammerung.

(KaraMA Beran)

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