Pressestimme zu "Matriarchale Spuren in Kolumbien"

Aus: Virginia, März 2017

Spurensuche nach matriarchalen Gesellschaften

Die Autorin sagt von sich, dass sie seit Jahrzehnten reist, um "von Kulturen zu erfahren, Menschen zu erleben, die den Horizont meines westlich geprägten Weltbildes erweitern helfen. Als Feministin interessiere ich mich vor allem für die Rolle der Frau." Mit dem Kennenlernen der Matriarchatsforschung u. a. durch Heide Göttner-Abendroth, verlagerte sich ihr Bedürfnis. Nun wollte sie mit eigenen Augen sehen, ob es tatsächlich noch Gesellschaften gibt, die in der Natur ihre Mutter erkennen, die sie nicht ausbeuten und sie verehren, die auf Gewaltfreiheit in den menschlichen Beziehungen beruhen, in denen Männer und Frauen frei und egalitär, konsensfähig zusammenleben, Ahninnen und Göttinnen verehren, auch wenn christliche, buddhistische oder islamische Lehren eine starke Bedeutung haben. Wären diese Gesellschaften und ihre matriarchalen Werte nicht der Weg aus unserer patriarchalen-kapitalistischen Crux?

Mit dieser großen Frage im Gepäck begab sich die Autorin seit 2002 auf den Weg zu Menschen, die überwiegend mühsam zu erreichen sind. Mühsam, da sie nicht an bequemen Straßen zu Hause sind, mühsam, weil immer Dolmetscher notwendig waren und es nicht leicht war, mit Frauen ins Gespräch zu kommen. Eine Herausforderung, in der sie sich in Geduld üben lernte. So bei ihrer Suche nach matriarchalen Spuren in Kolumbien.

Die Autorin hat vor dieser Reise, die sie als 82-Jährige antrat, alles an Literatur gelesen, die erreichbar war, und baut sie passend in ihre Reiseberichte ein. Ich habe den Eindruck, dass sie sich auf keinen Fall mit fremden Federn schmücken möchte. Das hatte zwar anfänglich meine Neugierde auf schnelle Ergebnisse ihrer Erkenntnisse gebremst, doch ich gewann Freude daran, mich Schritt um Schritt an das Leben dieser Gruppen heranführen zu lassen und zusammen mit der Autorin zu begreifen, was an ihnen (noch) matriarchal ist, was sie durch patriarchale Einflüsse verloren hatten oder was sie, wie im Fall des Frauendorfs Nashira, sich wieder angeeignet hatten. Als Orientierungshilfe gaben sich diese Frauen zu Beginn unseres Jahrhunderts ein Manifest, eine neue matriarchale Gesellschaft in Kolumbien aufzubauen.

Hier die Einführung in einer Übersetzung der Autorin:

"Wir Frauen der Welt, die wir Mütter sind und Mütter haben, erklären:

Unsere Werte, die wir hier aufführen, sind mütterliche Werte, die auf der ganzen Welt in matriarchalen Gesellschaften anerkannt und praktiziert werden, nämlich: der Ethos der Fürsorge, der Erziehung, die Orientierungshilfe, die Bereitschaft zu geben (Schenkkultur), sich für den Frieden einzusetzen, die Geschlechtergleichheit, die Achtung vor dem Leben aller Lebewesen, die Unantastbarkeit von Pacha Mama/Mutter Erde." Wie das umzusetzen ist, wird in 10 Punkten präzisiert und konkretisiert.

In ihrem Fazit zu diesem Frauendorf stellt die Autorin fest: "Im Frauendorf Nashira werden matriarchale Werte aufgegriffen und für ein menschen- und umweltfreundliches Leben fruchtbar gemacht. Von dieser und anderen ‚Oasen‘ weiblicher Selbstbestimmung können Impulse in die Gesellschaft allgemein ausgehen, die sich in unser alltägliches Leben integrieren lassen."

(Gudrun Nositschka)

« Pressestimmen zu "Matriarchale Spuren in Kolumbien"

« zur Übersicht der Pressestimmen