Pressestimmen zum Verlag
Aus: Das Who’ Who der BücherFrauen 2004/2005

Der Blick der Frau auf die Welt

Zwölf Jahre Christel Göttert Verlag

Die Titel begleiten Frauenprojekte und -netzwerke, machen Entwicklungen im weiblichen Denken sichtbar, wollen Impulse geben für aktuelle Diskussionen und verdeutlichen, wie vielfältig weibliches Schaffen und Denken ist. Bücher entstehen, die vor allem weibliches Wünschen und Begehren benennen.

Seit nunmehr zwölf Jahren werden im Christel Göttert Verlag Bücher von Frauen für Frauen gemacht. Die Titel begleiten Frauenprojekte und -netzwerke, machen Entwicklungen im weiblichen Denken sichtbar, wollen Impulse geben für aktuelle Diskussionen und verdeutlichen, wie vielfältig weibliches Schaffen und Denken ist. Bücher entstehen, die vor allem weibliches Wünschen und Begehren benennen. In weiblichen Genealogien zu denken und die Kraft zu zeigen in den Verbindungen von Frauen, die sich aufeinander beziehen, ist der Rüsselsheimer Verlegerin und Bücherfrau Christel Göttert - die ihre langjährigen Erfahrungen in der Frauenbewegung dazu bewogen hatten, als 50-Jährige einen Frauenverlag zu gründen -, besonders wichtig. Schwerpunkte des Verlages sind daher Texte zur Philosophie und Politik der Frauen, Frauengeschichte und Frauenbiographien. Aber auch Frauenliteratur, Sachbücher und Ratgeber zu den unterschiedlichsten Themen aus Frauensicht sind wichtige Bereiche des Programms. Grundlegend für alle Publikationen ist, von sich als Frau ausgehend den Blick auf die Welt zu werfen.

Dabei gehen die Themen quer durch die Sparten. So gibt es z.B. zum Matriarchat sowohl ein Reisetagebuch, das weibliche Schöpfungsmythen thematisiert ("Sie war umhüllt vom Duft wilder Nelken. Mein PyrenäenBuch" von Bücherfrau Angela Monika Auerbach), als auch Bücher, die matriarchalen Themen erzählerisch nachspüren ("Lied der Selkies" von Cathie Dunsford oder die Drachinnenbücher "Drachinnengesänge" und "Mit der Drachin reisen" von Saheta S. Weik). Der Fotoband "die geschichte der frauen" von Dietlind Kinzelmann stellt ein Kunstprojekt zum Thema vor, während "Der weibliche Faden - Geschichte weitergereicht" von Birgitta M. Schulte Erkenntnisse aus Archäologie, Anthropologie, Tanz und Tranceforschung von Marija Gimbutas, Felicitas D. Goodman, Marie E. P. König, Gabriele Johannsmanns und deren Schülerinnen vermittelt.

Ein grundlegendes Thema, die Bedeutung der Mutter und ihre Beziehung zur Tochter, ist als (Auto-)Biographie "Käthe, meine Mutter" von Bücherfrau Marianne Krüll im Programm, aber auch als belletristischer Titel, der die Judenverfolgung unter diesem speziellen Blickwinkel der Mutter-Tochter-Beziehung betrachtet ("Mutterland ... nach dem Holocaust" von Fern Schumer Chapman). "heilende zeiträume - mutter sprache sinn" von Andrea Günter hingegen ist ein theoretischer Text, der in praxisbezogener Zusammenarbeit mit dem Müttergenesungswerk entstand. Er gehört zu den "Philosophischen Bändchen", mit denen der Verlag preiswerte und schöne kleine Bücher mit kurzen philosophischen Texten als Grundlage für den Alltag von Frauen bieten möchte.

Frauenbiographien können Porträts sein, die von der Forschung Vergessene hervorholen ("Die Psychoanalytikerin Sabina Spielrein" von Renate Höfer oder über die Dramatikerin Ilse Langner "Ich möchte die Welt hinreißen" von Birgitta M. Schulte). Sie können aber auch als Kunstbuch gestaltet sein, mit dem die Bildhauerin Eva-Gesine Wegner in poetischen Skizzen und der Darstellung eines eigenen Werkzyklus in den Dialog mit Camille Claudel tritt ("Bei den Steinen angekommen").

Frauengeschichte ist z.B. Thema in der Anthologie "Nachts auf der Brücke - Literatur zur Zeitgeschichte", die als ein Begleitband zur großen Frauenausstellung POLITEIA zur deutschen Geschichte nach 1945 in Ost und West von Anne Jüssen herausgegeben wurde. Die Dokumentation "Mit Mut und Phantasie" (von Helma Mirus und Erika Wisselinck) zum ersten großen internationalen Frankfurter Frauenfest illustriert mit farbenfrohen Fotos und erläuternden Texten zu Göttinnen und Sagengestalten, Herrscherinnen und Frauenrechtlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen, wie Frauen nach ihrer verlorenen Geschichte suchen.

Die Unterschiedlichkeit von Frauen und ihrem Wirken zeigt besonders die Reihe "Buch der 1000 Frauen", die ein einzigartiges FrauenKunstProjekt begleitet. Beim "Fest der 2000 Frauen" in Frankfurt am Main wurde das FRAUEN-GEDENK-LABYRINTH vor der Alten Oper im Jahr 2000 eingeweiht. 1000 heutige Frauen können darin 1000 historische oder noch lebende Frauen - bekannte wie unbekannte, die häufig zum ersten Mal durch das Labyrinth öffentliche Achtung erfahren - mit einem gravierten Stein ehren. Dagmar v. Garnier, die Organisatorin der Frauenfeste und Initiatorin des Labyrinths, hat in den Büchern von allen Patinnen kurze Texte gesammelt, in denen sie "ihre" Frau beschreiben und erzählen, warum ihnen eine Ehrung dieser Frau wichtig ist. So entsteht durch das Labyrinth und die dazugehörenden Bücher eine andere Art der Geschichtsschreibung: persönlich, den eigenen Bezug darstellend, oft Gehörtes anders erzählend, Verschüttetes wieder zu Gehör bringend. Ein Frauenkunstwerk als begehbarer Weg zum Erbe der Frauen. Ein Frauengeschichtswerk im Prozess, das wächst mit dem Engagement der Frauen. Als Wanderausstellung war das FRAUEN-GEDENK-LABYRINTH schon in mehreren deutschen Städten zu Gast und kann dorthin reisen - natürlich auch ins europäische Ausland -, wo sich eine Gruppe von Frauen für die Organisationsaufgaben (von SponsorInnensuche bis Rahmenprogramm) zusammenfindet. Interessierte finden entsprechende Infos im Internet unter: www.frauen-gedenk-labyrinth.de.

Um die eigene Geschichte neu betrachten zu können, ist es auch wichtig, Denktraditionen aus weiblicher Sicht neu zu bewerten und weibliches Denken zu bergen wie in Marit Rullmanns Zitatenschatz "Sophias Weisheiten". Daher sieht der Verlag in der Vorstellung philosophischer Ideen von Frauen, die mit der Macht patriarchaler Denksysteme gebrochen haben und die Frage nach dem eigenen Aktivwerden stellen (wie Antje Schrupp in ihrem Bändchen "Zukunft der Frauenbewegung"), einen wichtigen Aufgabenbereich. Mit Grundlagentexten der Frauen des Mailänder Frauenbuchladens ("Das Patriarchat ist zu Ende" von Libreria delle donne di Milano), mit Übersetzungen von Aufsätzen und Büchern der italienischen Philosophinnengruppe DIOTIMA (z.B. von Luisa Muraro oder Chiara Zamboni) und den Vorträgen der französischen Differenzphilosophin Luce Irigaray will der Christel Göttert Verlag neugierig machen und Anstöße für ein anderes, die Gesellschaft neu gestaltendes Denken geben.

Und schließlich: Seit drei Jahren erscheint im Christel Göttert Verlag auch eine Zeitschrift.. Als Anke Schäfer, "Bücherfrau des Jahres 1998", die Virginia mitbegründet und rund 15 Jahre herausgegeben hat, aus Altersgründen einen anderen Frauenverlag für sie suchte, fand die einzige deutsche Zeitschrift für Frauenbuchkritik hier ihren neuen Platz. In gemeinsamer ehrenamtlicher Arbeit mit drei Redakteurinnen (den Bücherfrauen Doris Hermanns und Britta Jürgs sowie Susanne Webel) und einer Vielzahl von Rezensentinnen kann Virginia nun weiterhin zweimal jährlich zu den Buchmessen erscheinen. Vorgestellt werden Frauenbücher aus allen Sparten (Belletristik, Sachbücher, Frauenforschung, Frauenkrimis und Mädchenliteratur), außerdem gibt es einen Überblick über Neuerscheinungen und -auflagen - auch aus kleineren Verlagen, deren Kataloge nicht so häufig ausliegen. Leider sind noch immer viel zu wenig Buchhandlungen an einem Abo der kostenlos an KundInnen abzugebenden Zeitschrift interessiert. Allen BuchhändlerInnen, die diese preisgünstige und spezielle Serviceleistung testen wollen, sendet der Christel Göttert Verlag daher kostenlos 10 Exemplare zum Kennenlernen. Und unter: www.virginia-frauenbuchkritk.de erfahren alle interessierten Leserinnen im Internet, in welchen Buchhandlungen die Virginia zu bekommen ist.

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