Pressestimmen zum Verlag
Aus: Mainspitze vom 18.6.2002

Das Ungesagte in Worte fassen

Christel Göttert Verlag feierte zehnjähriges Bestehen / Weibliches Denken an andere weitergeben

Ihre Jubiläumsfeier hatte sie unter das Motto „Weibliche Freiheit gewinnen im Zeichen der Differenz“ gestellt, jene Theorie, die sich für sie - und ihre Arbeit als Verlegerin - als Quelle aufgetan hat. Was es heißt, einen Verlag lebendig zu halten, sollten Gesprächsrunden zeigen, für die Christel Göttert nicht nur Übersetzerinnen und Autorinnen ihres Verlags als Referentinnen gewonnen hatte, sondern auch in der Kommunalpolitik oder der Frauenbildung tätige Frauen.

Rüsselsheim - Es ist das vielfältige Leben der Frauen, dem Christel Göttert sich seit mehreren Jahrzehnten verbunden fühlt. Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass unter den rund 60 Gästen, die sich am frühen Sonntagabend aus allen Ecken Deutschlands in den Räumen ihres Verlags zusammenfanden, um das zehnjährige Bestehen ihres Frauenbuchverlags zu feiern, gerade einmal drei Männer auszumachen waren.

"Zehn Jahre Verlagsarbeit sind ein Anlass zur Freude. Sie bieten aber auch Gelegenheit, darüber nachzudenken, was in diesen zehn Jahren an anderen Themen da war, die mit denen unseres Verlages eng verknüpft sind", begrüßte Christel Göttert die Anwesenden in ihrer "Bücherbackstube". Ihre Jubiläumsfeier hatte sie unter das Motto "Weibliche Freiheit gewinnen im Zeichen der Differenz" gestellt, jene Theorie, die sich für sie - und ihre Arbeit als Verlegerin - als Quelle aufgetan hat. Was es heißt, einen Verlag lebendig zu halten, sollten Gesprächsrunden zeigen, für die Christel Göttert nicht nur Übersetzerinnen und Autorinnen ihres Verlags als Referentinnen gewonnen hatte, sondern auch in der Kommunalpolitik oder der Frauenbildung tätige Frauen.

"Die Idee, Bücher zu machen, war eng mit den Texten einer Frau verbunden. Einer Denkerin, die das Wunderbare schafft, ihr Denken an andere weiterzugeben", stellte Christel Göttert die italienische Philosophin Luisa Muraro vor. Die Mailänderin, die sich dem Frauenbuchverlag inzwischen so eng verbunden fühlt, dass ihre neuesten Texte regelmäßig auf dessen Internetseite zu lesen sind, war nach einer zweitägigen Tagung in der Evangelischen Akademie Arnoldshain nach Rüsselsheim gekommen, um Frauen dazu zu ermutigen, "sich über das Gesagte hinauszulehnen", das Ungesagte zu sagen und weiter zu denken.

Traudel Sattler, die Muraros Schriften für den Christel Göttert Verlag ins Deutsche übertragen hat, berichtetet, wie sie 1982 in den Kellerräumen eines Mailänder Frauenbuchladens mit den Vertreterinnen der Mailänder Differenztheorie in Berührung gekommen war und deren Thesen "unbedingt auch nach Deutschland bringen" wollte.

Antje Schrupp, Andrea Günter und Ulrike Wagener, die bundesweit Vorträge halten, erläuterten den Entstehungsprozess von "Liebe zur Freiheit, Hunger nach Sinn", ihrer 1999 im Christel Göttert Verlag erschienenen "Flugschrift über Weiberwirtschaft und den Anfang der Politik". Iris Bergmiller, hessen- und bundesweit für den Fachbereich Frauenbildung der Volkshochschule verantwortlich, die Frauenbeauftragte der Stadt Rüsselsheim Elke Möller und Carmen Größ vom Frauenzentrum berichteten von ihrer Zusammenarbeit mit dem Christel Göttert Verlag. "Ein kleiner Ausschnitt von dem, was sich in unserem Land tut, wenn Frauen aktiv sind", so Christel Göttert.

(Andrea Duphorn)

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