Projekt Beschreibung
Luisa Muraro
Luisa Muraro studierte Philosophie an der Katholischen Universität Mailand, arbeitete in den 68ern als Lehrerin, lehrte und forschte an der philosophischen Fakultät der Universität Verona. Zusammen mit anderen Frauen rief sie 1975 die Libreria delle donne di Milano, 1984 die Philosophinnengemeinschaft Diotima ins Leben; Mitherausgeberin der Zeitschrift Via Dogana.
Wir trauern
Am 13 Juni 2026 ist Luisa Muraro – kurz vor ihrem 86. Geburtstag – in Mailand gestorben. In einem Beitrag auf bzw-weiterdenken erinnert Antje Schrupp an die Differenzphilosophin: „Zum Tod von Luisa Muraro“ – auch mit einem Video, in dem die große italienische Denkerin zu hören ist. Siehe auch den Nachruf von Laura Colombo vom Mailänder Frauenbuchladen in der dt. Übersetzung von Traudel Sattler.
Nachruf von Christel Göttert
Wie kann ich Worte finden für ein Ereignis, das mich zutiefst erschüttert. Luisa Muraro, unsere Autorin, durch deren Gedankenimpulse es den Christel Göttert Verlag überhaupt gibt, ist gestorben. Als bedeutende Philosophin hat sie in den letzten 50 Jahren eine Quelle zum Sprudeln gebracht, von der das Denken der Frauen maßgeblich gespeist wurde und deren Wasser reichlich in die Zukunft fließen wird. Mit der Prägung der symbolischen Ordnung der Mutter hat sie Türen des Denkens aufgestoßen mit unglaublicher Reichweite. Die Wege für die Freiheit der Frauen bekamen einen weiten Horizont, die Blockaden der Anpassung an die männliche Weltsicht wurden aufgehoben. Dies ermöglicht es uns und den zukünftigen Generationen von Frauen und Männern, die Dominanz des Patriarchats zu überwinden.
Voller Dankbarkeit, Teil der Verbreitung der Lehren von Luisa Muraro in Deutschland sein zu dürfen, nehmen wir Abschied von einer großen Denkerin, einer einzigartigen Frau, auf deren Spuren wir voller Hochachtung für ihr Lebenswerk weiterhin gehen wollen – auch mit einer weiteren Übersetzung.
Ihre hinterlassenen philosophischen Einblicke mit großer Weitsicht werden zukünftig noch in ihrer vollen Breite zu ergründen sein. Sie gehören in die wertegebende philosophische Theorie und Praxis als Grundlagen für menschliches Handeln.
Weitere Veröffentlichungen als Mitautorin im Christel Göttert Verlag
- „Ein authentisches Bewusstsein, das zu Lust, Freiheit und wirkungsvollem Handeln führt“, in: Wachsen am MEHR anderer Frauen von Dorothee Markert, Rüsselsheim 2002
- „Muttersprache“, in: Buch der 1000 Frauen, Teil 2, Rüsselsheim 2001
- „Mayfreda“, in: Dagmar von Garnier (Hg.), Buch der 1000 Frauen, Teil 1, Rüsselsheim 2000
- „Vorher und Nachher im Leben einer Frau, in der Geschichte von Frauen“, in: Luce Irigaray, Der Atem von Frauen, Rüsselsheim 1997
- Das Patriarchat ist zu Ende (Rotes Sottosopra), Rüsselsheim 1996
- Libreria delle donne di Milano, „Mehr Frau als Mann“ (Grünes Sottosopra), übersetzt von Lilo Schweizer, in: Gisela Jürgens/Angelika Dickmann, frauen-lehren, Rüsselsheim 1996
Originalvorträge zum Nachlesen im Internet
- Einführungsvortrag Leipziger Buchmesse 2001
- Freiheit lehren
- Zum 11. September
- Wenn Kardinal Ratzinger ein Student von mir wäre
Weitere Veröffentlichungen in deutscher Sprache
- Vilemína und Mayfreda. Die Geschichte einer feministischen Häresie, Freiburg i. Br. 1987
- Die symbolische Ordnung der Mutter, Frankfurt/Main 1993
- Libreria delle donne di Milano, Wie weibliche Freiheit entsteht, Berlin 1988 (Mitautorin)
Beiträge in
- Diotima, Der Mensch ist zwei, Wien 1989
- Diotima, Jenseits der Gleichheit, Königstein/Taunus 1999
- Diotima (u. a.), Die Welt zur Welt bringen, Königstein/Taunus 1999
- Frauen-Arbeit: Entfremdung und Freiheit, Materialienband 21, Königstein/Taunus 1999
- Frauen, Mystik, Politik in Europa, Königstein/Taunus 2000