Projekt Beschreibung

Wundern und fordern!

Virginia Frauenbuchkritik, Frühjahr 2026

lka Schnaars’ Buch ist ein einziges Wunderwerk: Die Autorin, selbst Juristin, doch auch Erzieherin und Sozialpädagogin, kennt sich aus in beiden Welten: sowohl in der Welt der Mütter und Kinder als auch in der der Paragraphen und toten Buchstaben. Und sie wundert sich radikal.

Sie wundert sich darüber, warum sich trotz Istanbul-Konvention und jahrzehntelanger Versprechen die Lage der Frauen und Mütter immer mehr verschlechtert. Sie wundert sich, wie es vor Gericht zu erheblichen Misstrauensvorbehalten gegen Mütter kommt, statt dass diese im Mittelpunkt der Achtsamkeit und Wertschätzung stehen. Sie wundert sich, wie Mütter und Väter in ihrer Elternschaft als rechtlich gleichwertig betrachtet werden können, wenn sie es in der Realität doch gar nicht sind, weil ausschließlich eine Mutter ein Kind zur Welt bringen kann.
Und sie stellt Forderungen auf: Selten wurden Gerichte, Gesetzgebung und Politik so grundsätzlich in Frage gestellt, wie Schnaars das in ihrem Buch tut. Sie stellt Fragen an das Bundesverfassungsgericht, die sich gewaschen haben und alles Bisherige in den Grundfesten erschüttern. Sie stellt Fragen als Juristin und als Mutter und sie kennt die Matriarchie, d. h. Sorgeverhältnisse und familiäre Lebensumstände von Müttern in Mutterländern – das macht es so brisant.

Eine Frau wird eine Mutter durch Geburt. Ein Mann wird Vater durch Gesetz. Oder, fundamentaler betrachtet, durch den Willen einer Frau – wenn sie das für ihre Herkunftsfamilie, für sich und das Kind möchte. Wenn nicht, dann nicht. Als Juristin schreibt Schnaars: »Für eine rechtliche Gleichstellung von Mutter und Vater fehlt es beim Vater an einem Äquivalent für Schwangerschaft und Geburt. Die Möglichkeit, ein Kind auszutragen und zu gebären, ist ein Alleinstellungsmerkmal der Frau als Mutter, dem der Mann als Vater nichts Gleichwertiges entgegensetzten kann.«

Doch wir leben nicht in einem Matriarchat. Hier bei uns lautet das Motto: »Wenn der Vater will, soll er alle Rechte haben. Wenn der Vater nicht will, kann er nicht gezwungen werden«. So einfach ist es in einem Vaterland, in dem die ProPa-Paganda täglich deutlich macht, wie wichtig ein Vater für ein Kind sei, während das Wort Mutter zunehmend gemieden wird. Er kann gewalttätig sein, ein Dealer, im Gefängnis sitzen und noch viel Schlimmeres – doch er wird immer als wichtig fürs Kindeswohl propapagiert oder zumindest nicht als dem Kindeswohl abträglich betrachtet, solange er »nur« die Mutter schlägt und nicht auch noch das Kind.

Da sind Fragen an das Bundesverfassungsgericht zwingend nötig. Denn dass hier etwas auf dem Kopf steht, was auf die Füße gehört, ist klar: »Die Mütter sind es, die die Menschheit am Leben erhalten. In alten Kulturen und in früheren Zeiten wurden sie deswegen besonders geehrt.«

Immer wieder postuliert Schnaars: »(Es) kann keine gleichwertige Elternschaft abgeleitet oder konstruiert werden, denn weder der biologische Sachverhalt noch das Gesetz selbst in seinen Vorschriften (wie etwa §§1591 und 1592 BGB) belegen eine Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater.«

Und doch wird es getan, z. B. in Sorgerechtsstreitigkeiten – und das betrifft nicht nur unverheiratete Mütter. Oft genug jagt ein Gerichtsprozess den nächsten und hinterher ist häufig immer noch keine der Beteiligten zufrieden und obendrein verarmt vor lauter Prozessen. Oder konnte erst gar nicht in einen Prozess investieren, aus Geldmangel oder Mangel an Mut, was meistens für Frauen/Mütter gilt. Daher: Alle an familiengerichtlichen Verfahren beteiligte Berufsgruppen (RichterInnen, AnwältInnen, MitarbeiterInnen des Jugendamtes, PsychologInnen, SozialarbeiterInnen und GutachterInnen) sollten dieses Buch lesen.

Noch viel wichtiger sind wir Frauen/Mütter selbst. Denn dieses Buch verändert das Bewusstsein von Müttern in einem Vaterland. Darum sollte jede Frau dieses Buch unbedingt lesen und weiterreichen.

(Dagmar Lilly Margotsdotter)